Sarrazin, halt's Maul

Veröffentlicht am 12.05.2012 in Kampf gegen Menschenfeindlichkeit

Die Ereignisse rund um die Lesung Thilo Sarrazins in Erfurt am 09. Mai 2012 zeigten uns wieder einmal, was es in Deutschland heißt, die demokratisch zugesicherte, liberale Meinungsfreiheit genießen zu dürfen.

Eine solche Veranstaltung könne unsere Demokratie vertragen, hieß es seitens des Veranstalters, der circa 1000 deutsche Aktivbürger für die rassistische Hetze Sarrazins mobilisierte. „Ein Gast hat zu mir heute gesagt, er fühlt sich so wie bei einer kritischen Veranstaltung kurz vor der Wende“, plaudert der Intendant der „Alten Oper“ in die Kamera und kommt damit der Sache schon recht nahe. Mit der bedrohlichen Parole „Wir sind das Volk!“ hätte diese Veranstaltung wohl auch überschrieben werden können. Diese Besucherhorde klumpt sich kollektiv zusammen, wenn es die zwar von einem repressiven Regime abgerungenen, jedoch zum zeitgenössischen Heiligtum verklärten Bürgerrechte im 21. Jahrhundert zu verteidigen gilt, und hier wird der Übeltäter, wie so oft in der deutschen Geschichte, schnell festgemacht: der Andere.
In Zeiten, in denen die Widersprüche der Gesellschaft wieder sichtbarer hervortreten, d.h. in Krisen, will der deutsche Bürger sein bedrohtes Bürgersein bewahren und bekämpft nicht das, was ihn abstrakt beherrscht – das Kapital – sondern er stellt die Frage der Freiheit so verquer, falsch und regressiv, wie es in sämtlichen Publikationen unserer „demokratischen Mitte“ nachzuvollziehen ist: Aus der Eurokrise werden nationale Konkurrenzkämpfe, in denen sogar aus dem unpopulären „Hartz IV“ eine Institution sozialer Integration gemacht wird: „Wir“ Deutschen haben damit doch „unseren“ Standort „konkurrenzfähig“ gemacht; aus der Prekarisierung und Verelendung immer größerer gesellschaftlicher Schichten wird ein „Kampf der Kulturen“.
So macht die normativ blütenreine Mitte der Gesellschaft aus der sozialen Frage eine nationale. Die rassistische Meute Sarrazins streicht für sich das Recht auf Meinungsfreiheit ein, weil ihr Verständnis von Demokratie so armselig und darauf beschränkt ist, jedem die Möglichkeit einzuräumen, jeden Schwachsinn jederzeit an prominentester Stelle von sich geben zu dürfen, und sei es durch die prügelnde Staatsgewalt abgesichert. Allerdings: Nur solange, wie nicht ernsthaft die Frage nach Herrschaft gestellt wird. Wie die Delegitimierung von Menschen aussieht, die die Frage nach Emanzipation und Freiheit (deren Begriff seit neuestem ja von oberster Stelle eine Inflation und damit einhergehend eine regelmäßige Beschmutzung erfährt) stellen, kann sich beim hiesigen Inlandsgeheimdienst, dem Landesamt für Verfassungsschutz Thüringen, über „Linksextremisten“ informieren. Wie peinlich auch das Verhalten der SPD, diesen Kerl in den eigenen Reihen zu behalten, um in dessen Anhängerschaft noch ein politisches standing zu bekommen und Stimmen um den Preis sozialdemokratischer oder sozialistischer Grundwerte zu angeln.
Wer gegen die Menschenfeindlichkeit Sarrazins demonstriert, muss sich überdies auch noch dessen Arroganz gefallen lassen. Kritiker hätten sein Buch entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Wie wenig an der Behauptung dran ist, seinen Gegnern fehle der Diskurswille, sieht man an der Vielzahl schlechter Talkshows, in denen Sarrazin der Gefallen getan wurde, seine Menschenverachtung immer und immer wieder zum Diskursgegenstand zu machen. Und dort hat man auch gesehen, auf welcher Seite das Defizit bei der Diskursfähigkeit liegt. Mit extrapolierten Statistiken wurde aufgetrumpft, und ein Satz durfte natürlich nicht fehlen, der mit jeder neu aufflammenden deutschen Integrationsdebatte gefährlicher wirkt: Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

 
 

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