?Auf dem Arbeitsmarkt unbekannt?
Zum Sommersemester 2005 sind rund ein Viertel der Studiengänge in der BRD auf die gestuften Studiengänge Bachelor und Master umgestellt. Mehr als 2900 dieser Studiengänge werden derzeit angeboten. Gleichwohl ist die Akzeptanz der neuen Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt höchst unterschiedlich.
?Bachelor welcome !? Mit dieser Überschrift ihrer Erklärung hatten sich im Sommer letzten Jahres 15 Personalchefs deutscher Konzerne für die zügige Einführung der neuen Studiengänge, insbesondere des Bachelors ausgesprochen und angekündigt in ihren Unternehmen Bachelor- Absolventen Beschäftigungs- und Karriereperspektiven zu eröffnen. Zugleich möchten sie in der gesamten Unternehmenslandschaft für die neuen Abschlüsse werben. Weitere Aktiengesellschaften und Konzerne schlossen sich an. Soweit, so klar.
Bei näherer Nachfrage ließ sich jedoch auf Seiten der Arbeitgeber größere Unklarheiten über die neuen Abschlüsse feststellen. Eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergab, dass 42 % der befragten Unternehmen an, noch keine Ahnung von Bachelor und Master zu haben. Nur jeder fünfte befragte Unternehmer konnte sich vorstellen, eine/n derart ausgestatteten Arbeitnehmer/in einzustellen ? am ehesten allerdings als Sachbearbeiter/in.
?Nichts Halbes und nichts Ganzes?
Auch das Magazin Capital kommt zu dem Ergebnis, dass die neuen Abschlüsse noch keine Anerkennung auf dem Arbeitsmarkt gefunden haben. Die Hälfte der Personalentscheider der 250 größten Unternehmer rät den Studienanfängern zum angeblichen Auslaufmodell Diplom, in einer Umfrage der Jungen Karriere favorisierten alle der befragten 30 DAX-Großunternehmen und 13 Beratungsfirmen die alten Abschlüsse.
Der Geschäftsführer der Münchener IHK-Akademie, Helmut Paulig nennt den Grund: ?Der Bachelor ist nichts Halbes und nichts Ganzes?. Und: ?Der Bekanntheitsgrad ist weiterhin sehr gering?. Paulig vertritt 260.000 Mitgliedsunternehmen nicht wenige sind KMU, also kleine und mittelständische Unternehmen.
Auch die Architektenkammer Rheinland- Pfalz lehnt einen 6-semestrigen Bachelor deutlich ab. In einer Erklärung wird ein mindestens achtsemestriges Studium gefordert, da die Landeskammer in Übereinstimmung mit der Bundesarchitektenkammer ?keine adäquate Beschäftigungschancen? für sechssemestrige Absolventen sieht. Neben fachlichen Erwägungen wie der Qualität der Ausbildung verweist die Kammer auf die europaweit gültige Architektenrichtlinie. Diese macht das Freizügigkeits- und Niederlassungsrecht in der EU von einem mindestens vierjährigen Architekturstudium abhängig.
?Unternehmen überzeugen?
So ergibt sich die absurde Situation, dass AbsolventInnen mit einer sechssemestrigen Ausbildung zwar über EU-weit anerkannte ?credit points? für belegte Vorlesungen und Übungen verfügen, für den eigentlichen Beruf aber weder den EU- Standards noch den Weltstandards genügen. Daher sind die Architektenkammern der Auffassung, dass derzeit den Studierenden der sechssemestrige Bachelorstudiengang nicht empfohlen werden kann.
Gleichwohl weisen die schleswig-holsteinische Kultusministerin Ute Erdsiek- Rave und Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn in einer Pressemitteilung vom Februar daraufhin, ?dass wir uns starke Partner ins Boot geholt? haben, ?die für die Akzeptanz der neuen Strukturen werben?. Das gelte vor allem für die großen Konzerne, ?Mittelständler und kleine Unternehmen muss man noch überzeugen.?
Die beschriebene Situation der Architektinnen belegt allerdings, dass bevor jemand überzeugt werden kann, die bundesdeutsche Ausgestaltung internationalem Recht genügen muss. Sonst wird die Überzeugungsarbeit schwer.
Carsten Peters, BASS in der GEW