Frau Schavan verspielt alle Chancen. Am 13. Dezember überreicht die Uni Jena feierlich die ersten „Deutschlandstipendien“, in denen „leistungsstarke“ und „exzellente“ Student_innen unterstützt werden sollen. Die angenommenen Bewerber_innen erhalten monatlich 300 Euro, zur Hälfte von privaten Unternehmen oder Privatpersonen, die von der Uni angeworben werden müssen, zur anderen Hälfte vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.
„Das neoliberale Konzept der 'unternehmerischen Universität' hat sich mit der Einführung des
'Deutschlandstipendiums' wieder einmal durchgesetzt.Wie auch schon die Exzellenzinitiative ist solch eine Elitenförderung nicht nur sozial ungerecht, sondern auch ein Akt von stumpfer Symbolpolitik der Bundesregierung. Es soll der Eindruck erweckt werden, die deutsche Hochschullandschaft sei ausreichend finanziert, der akademische Nachwuchs würde gut gefördert, kurz: Es wird was gemacht für unsere Unis“, erklärt David Fijuck vom Sprecher_innenrat der Juso-
Hochschulgruppe.
„Die Realität des 'Deutschlandstipendiums' sieht aber anders aus. Wenn Prof. Dr. Dicke vom 'hiesigen Fachkräftemarkt' und 'eine[r] Investition in den Standort Thüringen' spricht, heißt das nichts anderes, als dass diejenigen Studiengänge einseitig bevorzugt werden, die ihren Studienplan zur Ausbildung verkürzen und der ökonomischen Nachfrage anpassen. Das sind derzeit Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Zahnmedizin.
Zudem kann bei einer Vergabe von 18 Stipendien auf über 20 000 Student_innen kaum die Rede von einer gerechten Vergabe sein. Es wird gezielt eine Elite gefördert, wobei sich unsere Kritik nicht an die Stipendiat_innen richtet. Wir kritisieren die Hochschulpolitik der Bundesregierung, die wieder einmal die Ökonomisierung der Hochschule vorangetrieben hat. In einem Ausbau des
BAföG-Systems wären die bisher aufgewendeten 8,6 Mio. Euro besser investiert“.