Zu den von Anette Schavan in der gestrigen Ausgabe der ?Welt? geäußerten Ansichten erklärt Martin Timpe vom Bundesvorstand der Juso-HSGen: Wir brauchen endlich mehr Chancengleichheit! Studiengebühren sind dazu kein Beitrag!
Die Bundesforschungsministerin hat in der ?Welt? erklärt, ein Gratisstudium sei im internationalen Vergleich nicht mehr zeitgemäß und Studiengebühren seien längst überfällig. Zwei Aussagen, die beweisen, wie zeitgemäß eine deutliche Warnung an die Ministerin von Seiten des Koalitionspartners wäre. Denn wenn Frau Schavan schon den internationalen Vergleich sucht, dann ist vor allem eines festzustellen: Nirgendwo in der Welt entscheidet die soziale Herkunft von jungen Menschen so sehr über ihre Bildungschancen wie in Deutschland. Wir brauchen endlich mehr Chancengleichheit ? dazu sind Studiengebühren sicher kein Beitrag. Sie würden im Gegenteil noch mehr Jugendliche aus sozial schwächeren Schichten von der Aufnahme eines Studiums abhalten.
Mit ihrem Gerede vom angeblichen Gratisstudium und der Rechtsanwaltgehilfin, die mit ihren Steuern das Studium des angehenden Rechtsanwalts finanziere, begibt Schavan sich auf Niveau herab, das einer Bundesministerin unwürdig ist. Denn sie weiß genau, dass ein Studium erhebliche Kosten mit sich bringt: von der Lebenshaltung über teure Lernmaterialien, von Verwaltungsgebühren der Hochschulen bis hin zum Verzicht auf ein Einkommen während der Studienzeit. Außerdem zahlen HochschulabsolventInnen in ihrem späteren Berufsleben natürlich mehr Steuern und tragen so stärker zur Finanzierung der öffentlichen Infrastruktur ? auch Bildung ? bei.
Wenn die Ministerin schließlich meint, die Hochschulen seien auf die zusätzlichen Einnahmen aus Studiengebühren angewiesen, um ein exzellentes Lehr- und Forschungsprogramm anbieten zu können, so beweist dies entweder eine grenzenlose Naivität oder den Versuch, die Studierenden für dumm zu verkaufen. Denn die Länderfinanzminister haben die zusätzlichen Einnahmen an anderer Stelle schon wieder weggekürzt, bevor ein einziger Cent bei den Hochschulen angekommen ist.
Die Juso-Hochschulgruppen lehnen die hochschulpolitischen Grundsätze der amtierenden Bundesforschungsministerin entschieden ab. Nicht die Förderung einer vermeintlichen Elite und die Einführung von Studiengebühren sind zeitgemäß, sondern die Schaffung von mehr Chancengleichheit durch einen offenen und damit gebührenfreien Zugang zu allen Bildungseinrichtungen ist zeitgemäßer denn je. Wir setzen auf die SPD und ihre Bildungs- und HochschulpolitikerInnen, mit denen wir gemeinsam die Einführung von Studiengebühren bundesweit verhindern bzw. rückgängig machen wollen.