Unternehmen profitieren von Familienfreundlichkeit

Veröffentlicht am 08.06.2016 in Arbeit

Bericht von Katharina Töppe

Es ist keine neue Weisheit, das Mitarbeitermotivation nicht alleinig über monetäre Anreize zu erreichen ist. Auch für Unternehmen wird es immer wichtiger, eine lebensphasenorientierte Personalpolitik anzubieten. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der zu erwartenden Abnahme der erwerbsfähigen Personen, ist eine Bindung an das Unternehmen eine Zukunftsinvestition. Doch wie kann es gelingen, Kinder, Pflege von Angehörigen und eine Vollzeitbeschäftigung unter einen Hut zu bringen? Unter dem Titel „Arbeiten in allen Lebensphasen – Ein Mehrwert auch für Unternehmen?“ fand auf Initiative des Landratsamtes und der Friedrich-Ebert-Stiftung eine Fachveranstaltung statt, zu der am Dienstag, 07.06. im Carl-Schroeder Saal in Sonderhausen diskutiert wurde. Als Gäste bereicherten die Podiumsdiskussion die Landtagsabgeordnete Dorothea Marx (SPD), die Landrätin des Kyffhäuserkreises Antje Hochwind (SPD), die Unternehmerin Cathrin Auerbauch vom Burghof Kyffhäuser sowie die Personalverantwortliche Ilka Helbing von der Wago GmbH. 

Dabei waren sich alle Gesprächspartnerinnen einig, dass eine gute Kommunikation mit den Mitarbeiter*innen die Grundvoraussetzung für die Lösungsfindung in Bezug auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist. Die Firma Wago trägt bereits das Zertifikat  „ Demografieorientiertes Unternehmen“, was eine intensive Beschäftigung mit der Thematik voraussetzt. Die Personalverantwortliche Frau Helbing führte aus, dass es zahlreiche Maßnahmen im Unternehmen gibt, um den Beschäftigten ein gutes Zusammenspiel von Privatem und Beruflichem zu ermöglichen.

Die Landtagsabgeordnete Dorothea Marx, die selbst noch eine Anwaltskanzlei führt, lenkte die Diskussion noch einmal in Richtung Gesetzgebung und begrüßte sehr, dass jetzt auch Väter in die Elternzeit mit einbezogen werden. Viele junge Väter nutzen diese Möglichkeit und widmen sich der Kindererziehung. Dem pflichteten die Anwesenden bei, gaben aber zudem an, dass nur wenige, die gesetzlichen Regelungen einer betrieblichen Abwesenheit (Familienpflegezeitgesetz) bei der Pflege von Angehörigen in Anspruch nehmen. 

Im Dienstleistungssektor, dem Frau Auerbach vom Burghof als mittelständische Unternehmerin angehört, gestaltet sich die Bindung von Mitarbeiter*innen dahingehend wesentlich schwieriger. Ein pünktliches Arbeitszeitende ist nicht immer realisierbar und Wochenendarbeit steht bei einem Gasthof auf der Tagesordnung. Trotz allem hat sie es immer wieder geschafft, ihr Team zusammenzuhalten, indem sie täglich das Gespräch mit ihren Beschäftigten sucht, um nichts unausgesprochen zu lassen. Das kostet viel Kraft, sichert ihr aber zuverlässiges Personal. Natürlich hat auch Frau Auerbach nach Wegen gesucht, um den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre Beschäftigten zu binden. So bietet sie eine Altersvorsorge an und den Ausgleich der angesammelten Zeitstunden in den Wintermonaten. Auch der Landkreis setzt alles daran, sein erworbenes Zertifikat zum „Familiengerechten Landkreis“ immer wieder mit Leben zu füllen.

Landrätin Antje Hochwind sagte, dass nicht nur in der Kreisverwaltung viel Wert auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen gelegt wird, sondern auch zahlreiche Unternehmen diese bereits im Landkreis anbieten. Das wird auch zukünftig bei der Gewinnung neuer Fachkräfte eine große Rolle spielen. Auch Rückkehrwillige interessieren sich immer mehr für die sogenannten „weichen Faktoren“ und entscheiden danach, wohin sie ihren Lebensmittelpunkt verlegen. Der Kyffhäuserkreis verfügt über zahlreiche Angebote für Familien, die so in anderen Bundesländern oder Kreisen nicht zu finden sind. Diese gilt es zu bewerben und das wurde bereits u. a. mit der Imagekampagne des Landkreises angestoßen und sollte auch von den Unternehmen noch intensiver genutzt werden. 

Als Resümee der Veranstaltung konnte entnommen werden, dass es nicht „die Lösung“ zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt, aber um zukunftsfähig zu bleiben, es vieler Lösungen bedarf.

 
 

Homepage Dorothea Marx

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