Die SPD-Fraktion im Stadtrat Gera bedauert die Schließung der bisherigen Tourist-Information. „Wie viele solcher Einrichtungen, die Gera positiv vermarkten, sollen denn noch verschwinden?“, fragt Fraktionsvorsitzende Monika Hofmann. Sie fordert ein konkretes Konzept, mit welchen Angeboten und Maßnahmen die Stadt den Tourismus in Gera künftig fördern wird.
„Die Stadt hat die Zusammenarbeit mit dem Gera Tourismus e.V. aufgekündigt, ohne klar zu sagen, wie es weitergehen soll. Welche Rolle dabei die Gera Kultur GmbH spielen kann oder soll, das weiß offenbar noch keiner genau“, so Hofmann weiter. Sie bedauert auch den Umgang mit den Mitarbeiterinnen des Vereins, deren große Verdienste und Erfahrungen der letzten 16 Jahre ohne Not verloren gehen.
Am Donnerstag soll nun der Stadtrat die Gera Kultur GmbH offiziell mit der Betreibung eines touristischen Ansprechpunktes beauftragen. „Doch sind im Wirtschaftsplan der GmbH weder Mittel noch Personal für touristische Arbeit in adäquater Höhe vorgesehen“, verweist Heiner Fritzsche auf die erste eklatante Schwäche dieses Vorschlags.
Hofmann sieht auch rechtliche Schwierigkeiten: „Wenn die Gera Kultur GmbH wesentliche Aufgaben des Vereins übernehmen sollte, ist das ein Betriebsübergang.“ Dann müssten die Mitarbeiterinnen nach § 613a BGB alle übernommen werden. „Am Ende könnte es für die Stadt wieder einmal sogar noch teuer werden als vorher“, warnt die Fraktionsvorsitzende vor zusätzlichen 160.000 Euro Gehaltszahlungen im Jahr.
„Gera kann es sich überhaupt nicht leisten, jetzt noch einmal ein halbes Jahr auf den ersten Entwurf eines neuen Konzeptes für die Tourismus-Förderung zu warten“, kritisiert Melanie Siebelist einen weiteren Punkt der Stadtratsvorlage. Auch die Frage nach der Mitgliedschaft im Vogtland Tourismus e.V. sei noch ungeklärt.
Siebelist schlägt vor, analog zum Kyffhäuserkreis einen Ostthüringer Tourismus-Verband zu gründen. „Das macht Sinn in einer Zeit, in der ganze Regionen und nicht einzelne Gemeinden um Touristenströme werben“, so das Mitglied des Wirtschaftsausschusses. „Ich bitte die Oberbürgermeisterin ausdrücklich, sich intensiv in die Erstellung einer neuen Landestourismuskonzeption des Landes Thüringen einzumischen“.
In jedem Fall bietet die SPD-Fraktion ihre Kontakte in Gera und Erfurt an, um die Tourismusförderung gemeinsam mit anderen Akteuren voranzubringen.