Zur wirtschaftlichen und sozialen Gleichstellung der Frauen ist mehr notwendig als nur "rote Handtaschen". Die wirtschaftliche und soziale Situation von Frauen ist mehr als verbesserungswürdig. Dies machen einige Fakten überdeutlich:
- Frauen in Thüringen arbeiten weit häufiger in prekären Beschäftigungsverhältnissen als Männer. Ihr Anteil an den geringfügig Beschäftigten ist 61%. Der Anteil an Teilzeitbeschäftigten liegt bei 84% (wobei 82% eine Vollzeitstelle suchten). In Jena liegt der Anteil der Frauen bei Teilzeitbeschäftigten bei 81%. In Jena sind 28,3% aller beschäftigten Frauen nur Teilzeitbeschäftigt (bei 7,2% der Männer). Das IAB-Betriebspanel Thüringen weist aus, dass nur jede 2. Frau ein "Standard-Beschäftigungsverhältnis" hat (mit der gewünschten Arbeitszeit bei einer adäquaten Entlohnung), bei 83% der Männer.
- Frauen in Thüringen verdienen deutlich weniger als ihre ohnehin wenig verdienenden männlichen Kollegen. Durchschnittlich verdienten im II. Quartal 2008 Frauen 515 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen, das sind 79% des durchschnittlichen Verdienstes der Männer. Netto haben Frauen in Thüringen mit durchschnittlich 845 Euro 200 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. In Thüringen haben 53% der Frauen netto weniger als 900 Euro (bei 33% der Männer), wohingegen 3,6% mehr als 2000 Euro Netto hat (bei 8,3% der Männer).
- Bereits heute haben 35% der Frauen in Thüringen über 65 Jahre ein geringeres Einkommen als 700 Euro (bei 5% der Männer). Jede 4. Frau (24%) über 65 hat mehr als 1100 Euro, bei Männern sind dies 38%. Anhand des sehr hohen Anteils von Frauen bei den Geringverdienern (53%) ist zu prognostizieren, dass die erwartete Altersarmut in den nächsten 20 Jahren insbesondere weiblich sein wird!
Als Gründe werden häufig benannt, dass Frauen häufiger in den Dienstleistungsberufen arbeiten. Diese zeichnen sich auch durch eine geringe Tarifbindung aus. So hat die Hans-Böckler-Stiftung errechnet, dass lediglich 46% der Frauen in Betrieben mit Tarifbindung arbeiten (bei 54% der Männer). Auch arbeiten sie überproportional häufiger in Teilzeit bzw. geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (in Thüringen ging der Anstieg bei den geringfügigen Beschäftigten von 2007-2008 mit 88% fast gänzlich auf Kosten der Frauen).
"Frauen sind sowohl in den Gewerkschaften wie in den Parteien noch unterrepräsentiert." so Dr. Jörg Vogel, SPD-Kreisvorsitzender, und Torsten Wolf, Vorsitzender der AfA in der SPD Jena. "Genau hier liegt aber der Ansatzpunkt: durch einen höheren Organisationsgrad in den Gewerkschaften die eigene Verhandlungsposition in Einkommensfragen verbessern und durch mehr Macht in den Parlamenten und Parteien frauenspezifische Politik machen. Wir Sozialdemokraten setzen auf Durchsetzungsmacht, die eher arbeitgeberfreundlichen Organisatoren des
Equal-Pay-Day mehr auf Symbolik. Auch wenn wir inhaltlich ähnliches wollen, sehen wir es als Schwächung an, nicht mehr gemeinsam am 8. März, dem Internationalen Frauentag, für die wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der Frauen zu kämpfen!"