Karina Beckhaus Karina Beckhaus, Mitglied im Kreisvorstand der Geraer SPD und Leiterin der Geraer UNICEF-Arbeitsgruppe, kritisiert die aktuelle politische Diskussion um Flüchtlinge: „Alle Politiker zeigen mit dem Finger auf andere und letztlich wird viel zu wenig getan, um diesen Menschen zu helfen. Die Flüchtlinge, die ihr Leben riskiert haben, um in Europa sicher zu sein vor Gewalt und Verfolgung so menschenunwürdig zu behandeln, ist Europas nicht würdig!“
Sie verweist darauf, dass die europäischen Mittelmeerstaaten schon seit vielen Jahren mit einem gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen konfrontiert sind. Es sei lange bekannt, dass dieser Zustrom nicht geringer wird, sondern aufgrund der Krisen in Nordafrika und im Nahen Osten noch deutlich zunehmen würde. Dennoch habe es Europa nicht geschafft, gemeinsam Regelungen zu finden, wie diese Flüchtlinge aufgenommen, verteilt und versorgt werden sollen. „Nun ist eine Situation entstanden, in der insbesondere Griechenland und Italien vollkommen überfordert sind.“ Nach Ansicht der Geraer SPD ist dies ein untragbarer Zustand.
Auch Thüringen und Gera müssten sich der Verantwortung stellen. Es könne nicht sein, dass überall in Deutschland Ausreden gefunden werden, warum es leider nicht geht, Flüchtlinge aufzunehmen. „In Eisenberg und Suhl herrschen mittlerweile furchtbare Zustände: die Gebäude sind extrem überbelegt und Menschen kampieren unter Zeltplanen. Gleichzeitig geht es bei der Regelung der Nutzung des ehemaligen Liebschwitzer Berufsschulinternates über Monate nicht vorwärts“, kritisiert Beckhaus. „Wie kann es sein, dass Menschen eingepfercht oder ungeschützt dem Wetter ausgesetzt werden, während man sich andernorts über veraltete Fenster und Papptüren aufregt? Während in Liebschwitz eine Handvoll dauerhaft besorgter Bürger mit immer neuen Argumenten versucht, dieses Flüchtlingsheim doch noch irgendwie zu verhindern, hat mit Sicherheit ein Großteil der Bevölkerung verstanden, dass es gar keine Alternative dazu geben wird, alle Möglichkeiten zu nutzen. Die Frage ist doch eher, ob nicht wir alle unseren Beitrag dazu leisten können, die Flüchtlinge ohne Vorbehalte aufzunehmen und ihnen die Unterstützung zu geben, die sie benötigen. Sei es im Sportverein, durch Abgabe nicht mehr benötigter Gegenstände oder sogar persönliche Kontakte. Wird man gut aufgenommen, dann fühlt man sich wohl und kommt auch nicht auf dumme Gedanken.“ ist sich Beckhaus sicher.
Bedenklich in diesem Zusammenhang sei die Haltung der Geraer Stadtspitze. Hier vermissen die Geraer Genossen ein klares Bekenntnis, mit allen Kräften helfen zu wollen. Im Unterschied zu dem Bürgermeister Quedlinburgs, Frank Ruch (CDU), der in der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen eine große Chance für seine Stadt und die Region sehe, gebe es keinerlei derartige Aussagen von Dr. Viola Hahn. Mit diesem Schweigen würden Vorbehalte unterstützt statt abgebaut. Gerade eine Stadt wie Gera, die ein riesiges demografisches Problem verbunden mit großem Leerstand habe, könne durch die Aufnahme von Flüchtlingen eine positive Entwicklung erfahren. Voraussetzung sei allerdings, dass die nötigen Kosten von Bund und Land übernommen werden, so Beckhaus.