Als "absolut kontraproduktiv und kurzsichtig" kritisiert Hans-Jürgen Döring, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, die heute zwischen dem thürigischen und dem baden-württembergischen Kultusministerium geschlossene Vereinbarung.
Sie sieht vor, dass Thüringer Nachwuchspädagogen künftig verstärkt nach Baden-Württemberg wechseln können. Döring erinnert daran, dass in Thüringen in den kommenden zwei Jahrzehnten fast 18 000 Lehrer altersbedingt in den Ruhestand treten. Das seien nahezu 80 Prozent der derzeitigen Lehrerschaft. „Angesichts dieser dramatischen Personalentwicklung muss das Kultusministerium eigentlich alles tun, um die eigenen Nachwuchspädagogen im Land zu halten“, mahnt der Bildungsexperte. Stattdessen unterstütze man willfährig die Abwerbe-Strategien der Westländer.
Die vom Kultusministerium geäußerte Hoffnung, die Junglehrer würden
nach einigen Jahren nach Thüringen zurückkehren, vermag Döring nicht zu
teilen. „Wer einmal seine Heimat verlassen und anderswo einen neuen
Lebensmittelpunkt gefunden hat, bleibt in der Regel auch dort“, sagt
der Bildungspolitiker. Die von Baden-Württemberg abgeworbenen Pädagogen seien daher für Thüringen unwiderruflich verloren. Im Freistaat würden aber bereits im kommenden Schuljahr fast 400 neue Lehrer benötigt. Die SPD-Landtagsfraktion hat daher vor kurzem beantragt, den Einstellungskorridor für Junglehrer wesentlich zu verbreitern und künftig sämtlichen Lehramtsanwärtern eine Anstellungsgarantie bei Bestehen der Zweiten Staatsprüfung zu geben. In einem zweiten Schritt soll die Zahl der Lehramtsanwärter in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden. Der Landtag beschäftigt sich noch in dieser Woche mit der SPD-Initiative.