
Am Sonnabend den 25.08.2012 veröffentlichten die TLZ und OTZ ein Sommergespräch mit Dr. Jörg Vogel. Hier nochmals das gesammte Interview zum nachlesen. Das Gespräch führte der TLZ-Redakteur Thomas Stridde.

Am Sonnabend den 25.08.2012 veröffentlichten die TLZ und OTZ ein Sommergespräch mit Dr. Jörg Vogel. Hier nochmals das gesammte Interview zum nachlesen. Das Gespräch führte der TLZ-Redakteur Thomas Stridde.
Gemeinsam mal Sport und Theater
Sommergespräche: Jörg Vogel, Fraktionsvorsitzender SPD im Jenaer Stadtrat
Jena. Jörg Vogel hätte da so ein Zaubermittel. Zumal er gar nicht einsehen mag, dass sich die Stadtratsopposition derart aufregt über jüngste wichtige Personalentscheidungen, die mit Mehrheit der SPD-CDU-Grünen-Koalition durchgesetzt wurden. Immer wieder diese Rede von »tiefen Gräben«, weil Denis Peisker als Stadtentwicklungsdezernent und Thomas Dirkes als Stadtwerke-Chef das Rennen machten! »Was ist nur los?«, fragt der SPD-Fraktions- und -Kreisverbands-Chef. »Es ist üblich, dass Koalitionen gebildet werden, um Mehrheiten zu haben. Also diese Krokodilstränen der Opposition: Es wird am falschen Grab geweint.«
Polemik schafft
nur Distanz
Gern wäre er ja stolz auf den Stadtrat, sagt Jörg Vogel. Aber derzeit? Polemik schaffe nur Distanz; allein mit »Fachlichkeit und Sachlichkeit« entstünden brauchbare Debatten. Gewiss: Es habe einen nachträglich korrigierten Fehler bei der Ausschreibung zum Stadtwerke-Chef gegeben, was dessen Aufgaben betrifft. »Ich bin selbst durch Uni, Kirche und Schule gremiengeprägt und weiß: Verfahrensfehler sind überflüssig wie ein Kropf.« Aber was helfe jetzt ewiges Nachkarten? Und dieser Vorwurf »Opposition wird rausgehalten«! Nein, etwa bei der Besetzung der Vorsitz-Posten in Fachausschüssen des Stadtrats habe man darauf geachtet, auch Oppositionskollegen einzubeziehen. »Wir halten sie nicht raus.« Und ach ja, das Zaubermittel: Jörg Vogel könnte es sich vorstellen, dass alle Stadtratsmitglieder gemeinsam ein Sportfest ausrichten. Oder dass sie einmal gemeinsam ein Theaterstück inszenieren.
Im Grundsatz sehr zufrieden ist Jörg Vogel mit den »Inszenierungen«, die Bürgermeinung sichtbar machen. Ob es das neuerliche Bürgerhaushaltsverfahren diesmal zum Thema »Kindergarten-Kosten« ist oder die Bürgerbefragung zum Eichplatz oder die Elternbefragung zu weiterführenden Schulen. »Die SPD hat sich von Anfang für so etwas eingesetzt. Das ist kein Feigenblatt, sondern ein Instrument zur Meinungsbildung.« Allerdings müssten Fragen »auch so abgefasst sein, dass die Ergebnisse auswertbar sind«. Da sei wissenschaftliche Unterstützung gut möglich. Wohl ein sanfter Hinweis auf voriges Jahr, als sich der von Vogel geleitete Kulturausschuss mit der AG Bürgerhaushalt rieb eben wegen der Art der Fragen. So seien Missverständnisse bei der Untersuchung des Jenaer Kulturhaushalts ermöglicht worden. »Wir haben also zum Beispiel nie gesagt, die Kultur sei eine heilige Kuh.«
Ganz bewusst wolle die SPD nun erst einmal die für nächsten Monat angekündigte Auswertung der Bürgerbefragung zu den Eichplatz-Plänen abwarten. »Ich empfinde das als sehr spannend. So weit wie jetzt waren wir mit dem Eichplatz noch nie«, sagte Jörg Vogel. »Trotzdem werden wir als SPD da nicht alles durchwinken.« Möge die Bereitschaft der Investoren, die eigenen Entwürfe fortzuentwickeln, auch »optimistisch gestimmt« haben.
Unterschied zwischen Wunsch und Realität
Zu der immer wieder gestellten Bürgerfrage, weshalb nicht wahre »Hingucker« la Friedensreich Hundertwasser als Entwürfe ausgewählt wurden, muss Jörg Vogel milde lächeln. »Es hat uns nie jemand einen ®Hundertwasser® angeboten aber es gibt da einen gewissen Unterschied zwischen Wunsch und Realität. Es muss sich in 20, 40, 60 Jahren zeigen,dass unsere Entscheidung richtig war.«
Anderes Beispiel für die kräftige eigene SPD-Meinung: Als jüngst die Stadtwerke-Anteile neu geordnet wurden und mit dem Einstieg der Thüga erhöhte Rendite-Ausschüttungen angestrebt waren, »sind wir nicht mitgegangen«. Und dies auch mit Blick auf die Stadtwerke-Tochter Jenawohnen, die »ausdrücklich nicht auf Gewinn« getrimmt werden soll. Man habe darauf gedrungen, dass Jenas größter Vermieter »im mittleren und unteren Segment die Marktanteile hält«. Initiativen wie Sozialmanagement und Mietschuldenberatung würden das Bild abrunden: »Für mich ist das ein soziales Wohnunternehmen und kein kapitalistisches.«
Den »Lebensort Jena in unterschiedlichen Perspektiven« zu gestalten dazu gehört es für Jörg Vogel, beim Projekt »Uni-Campus Inselplatz« hart dranzubleiben und freilich auch die ministeriellen Lenker mit Jenaer Wohnsitz (ein Minister, zwei Staatssekretäre) immer wieder zu sensibilisieren. »Wenn dieses Projekt gelänge, wäre es ein großer Wurf«, sagte Vogel. Die Infrastruktur der Uni würde auf bestes Niveau gehoben. »Die Finanzierung ist aber alles andere als gewiss.«
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