Das Renau-Mosaik kehrt bis Ende 2016 zurück an den Moskauer Platz. Der Plan ist nicht neu, bislang war nur unklar, woher das Geld dafür fließen könnte. Und daher gab es auch keinen Zeitplan.
Moskauer Platz . Bis zu dieser Entscheidung: Mit einem Projektbudget von bis zu 300.000 Euro will die Stiftung Wüstenrot mit Sitz in Ludwigsburg sich einbringen. 60.000 Euro sind als Komplementärmittel beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie beantragt. Jeweils 20.000 Euro sollen 2015 und 2016 aus dem städtischen Haushalt beigesteuert werden.
Die gemeinsamen Bemühungen der Stadt, des Thüringischen Landesamtes sowie des eigens gegründeten Fördervereins " Renau -Mosaik" tragen nun Früchte. Geschätzte 400.000 Euro werden benötigt, um das im Container eingelagerte Wandbild zu restaurieren und an der Stelle wieder anzubringen, wo es seit 1984 am KuFZ (Kultur- und Freizeitzentrum) am Moskauer Platz als architektonisches Kunstwerk seinen Platz hatte. Die Wand dafür steht - so wie jetzt auch die Finanzierung.
6 mal 28 Meter groß ist das Wandmosaik aus Glaskeramikfliesen, das der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler Josep Renau (1907-1982) als Auftragswerk zum 35. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik für das KuFZ in Erfurt schuf. Die Einweihung erlebte der Künstler nicht mehr. Als die jahrelange KuFZ-Ruine schließlich abgerissen wurde, um Platz für ein neues Einkaufszentrum zu schaffen, wurde das Kunstwerk gesichert. Im Jahr 2012 wurde es fachgerecht abgenommen und in einem Container gelagert. Damals gehörte es dem Investor, der das neue Nahversorgungszentrum errichten wollte. Nach einer Sachspende war es im April 2014 ins Eigentum der Stadt überführt - durch einen Stadtratsbeschluss besiegelt.
Für Kulturdirektor Tobias Knoblich ist das Renau -Mosaik nicht nur architektonisch und denkmalpflegerisch spannend, sondern als Kunst am Bau auch von kulturpolitischer Bedeutung. Die Projektbetreuung ist federführend bei der Kulturdirektion angesiedelt.
"Es handelt sich um ein Kunstwerk internationalen Ranges. Auch wenn der Wunsch auf Erhalt außerhalb des Stadtteils Moskauer Platz anfangs nicht auf so viel Verständnis getroffen sei", betonte Landeskonservator Holger Reinhardt. Das Wandbild hat in seinem derzeitigen Zustand - es sind 99 Prozent der Fliesen erhalten - einen Wert von 85.000 Euro. Das Wertgutachten spendierten die Stadtwerke. Interesse an einem Rückkauf hatte auch die spanische Renau-Gesellschaft mit Sitz inValencia angemeldet. Die Kostenschätzung für Restaurierung und Wiederanbringung hält der Landeskonservator für sehr verlässlich.
Aber da kommt nicht einfach eine Stiftung aus Süddeutschland und überschüttet Erfurt mit Geld: "Wir verfolgen unseren Auftrag und bewahren kulturelles Erbe", sagte Philip Kurz, Geschäftsführer der Stiftung Wüstenrot. Und es wäre zu einfach, nur für den Erhalt gotischer Bauwerke einzutreten. "Viel gefährdeter ist die architekturbezogene Kunst, die nach 1960 geschaffen wurde. Da wird vieles einfach abgerissen und verschwindet für immer. Das Renau-Mosaik ist wenigstens sicher in Containern untergekommen." Weil in Erfurt im Gegensatz zu vielen anderen Städten die Bereitschaft bestehe, sich auch um solche Kunst der jüngeren Vergangenheit zu kümmern, waren die Vertreter der Stiftung motiviert. Und nur mit einer dicken Finanzspritze allein ist es ohnehin nicht getan. Die Stiftung bringt ihre fachlichen Erfahrungen mit ein. Eine gemeinsame Projektgruppe wird gebildet.
Mit dem gesicherten Finanzplan kann es nun an Detaillösungen und Auftragsvergabe gehen. So steht zum Beispiel schon fest, dass das Mosaik nicht unmittelbar an der vorgesehenen Fassade angebracht wird. Eine Stahlkonstruktion soll dafür sorgen, das Wandbild statisch unabhängig an das Gebäude anzusetzen. Zumal der Neubau auch niedriger ist als das KuFZ es war und das Wandbild in den alten Sichtverhältnissen und Blickachsen montiert werden soll.
Ohne den Einsatz des Fördervereins "Renau-Mosaik" wäre die Stiftung Wüstenrot nicht so begeistert auf das Projekt angesprungen. Das bescheinigte die Finanzbeigeordnete Karola Pablich dem Vereinsvorsitzenden und Ortsteilbürgermeister vom Moskauer Platz, Torsten Haß.
Lydia Werner / 17.12.14 / TLZ