A. Witschel, M. Schletz, J. Reichenbach, B. Schweitzberger, D. Ortmann Sonneborn. (tlz) Jörg Reichenbach (Waltershausen) schickt sich an, einen neuen Rekord in der Gothaer SPD aufzustellen. Die Delegierten ebneten am Samstag dem Kreisvorsitzenden den Weg zu einer dritten Amtszeit, die Zeit turbulenter Führungswechsel scheint vorbei. Der alte und neue Vorsitzende der Kreis-SPD fand am Samstag zum Parteitag in Sonneborn deutliche Worte in alle Richtungen - auch ins eigene Lager.
Den Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) will Reichenbach am liebsten aus dem Landkreis verbannen. Solle er endlich nach Erfurt ziehen, dann brauche er sich nicht mehr um Neudietendorf zu kümmern, kritisierte Reichenbach die Begehrlichkeiten Bauseweins. Der Erfurter OB träumt, Teile des Landkreises Gotha - dazu zählt auch Bauseweins Wohnort Neudietendorf - nach Erfurt einzugemeinden.
Gothas SPD sieht ihre Zukunft in einem starken Landkreis Gotha, verdeutlichte Reichenbach. Dessen Basis ist die Kreisstadt. Deshalb sprach sich der Waltershäuser für ein intensives Miteinander zwischen Kreisvorstand und den Gothaer Ortsverbänden aus.
Gotha-Südwest mit 42 Mitgliedern und Gotha-Mitte mit 37 Mitgliedern bilden den größten und drittgrößten Ortsverband im Kreis. 95 der 361 SPD-Mitglieder im Kreis gehören den Gliederungen in der Stadt an.Die Entwicklung der Mitgliederzahlen ist nach Reichenbachs Aussagen unbefriedigend. Der Negativtrend habe sich verlangsamt, aber er habe ihn nicht stoppen können. Auch wenn er mit jedem Austretenden das Gespräch gesucht habe, Schritte aus Frust und Wut über die Bundespolitik habe er nicht umkehren können. Bedenklich auch: Die SPD überaltert. 200 Parteimitglieder sind älter als 51 Jahre.
Heftige Kritik richtete Reichenbach naturgemäß an den politischen Gegner CDU. Ministerpräsident Althaus, Kultusminister Goebel und Wirtschaftsminister Reinholz bezeichnete er als Totengräber Thüringens. Letzteren, weil er in Waltershausen seinen Wahlkreis habe, aber in Nordhausen lebe und sich nur dort engagiere. Und die andere Erfurter Stimme der Gothaer CDU müsse nach ihrem Klang "wohl eher Frau Klein heißen." Reichenbach ist deshalb überzeugt: "Wir werden 2009 die CDU schlagen."Heftig ging er auch mit der Kreispolitik ins Gericht: Neben Kungeleien in den eigenen Reihen bei der Beigeordnetenwahl haderte er mit "Marionetten-Landrat" Gießmann und "dogmatischen Entscheidungen", wie dem Festhalten an der Ohrdrufer Berufsschule.
Für die Kreistagsfraktion meldete sich Gabi Reichstein mit den Schwerpunkten Landratswahl, Schulentwicklung, Philharmonie und Haushalt zu Wort. Werner Pidde habe als Landratskandidat ein absolutes Achtungszeichen gesetzt. Und Pidde selbst fügte an, dass es wichtig sei, an Weichenstellungen für die Landratswahl 2012 zu denken. Die sei weit weg, aber der Kreisvorstand lege jetzt die Basis für die Kommunalwahlen. Die wiederum seien das Fundament für 2012, so Pidde. Seine Forderung: Gothas SPD - immer noch der zweitstärkste Kreisverband in Thüringen - müsse in der Generation bis 40 Jahre aktive Mitglieder gewinnen.
Im geschäftsführenden Vorstand gab es einen personellen Wechsel: Andreas Witschel (Friedrichroda) verdrängte Christian Theodor (Tabarz) als Stellvertreter. Weitere Stellvertreterin ist Brita Schweitzberger (Crawinkel). Sie wurde ebenso im Amt bestätigt wie Schatzmeisterin Margot Schletz (Gotha) und Schriftführer David Ortmann (Waltershausen), der das Amt bereits seit Sommer 2006 amtierend wahrgenommen hatte.
18.03.2007 Von Oliver Bauer