Die Jenaer SPD hat auf ihrer Mitgliederversammlung am 16. April 2007 ein Positionspapier zur Familienpolitik beraten und beschlossen.
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Positionspapier zur Familienpolitik in Jena, 16.04.2007
Jena ist in Bewegung. Die Dynamik ist ein Erfolgsfaktor dieser Stadt. Doch es gibt auch andere, langfristig wirkende Veränderungen, denen wir als SPD aktiv begegnen wollen. Jena könnte bis zum Jahr 2020 zehn Prozent seiner Einwohner verlieren. Fast 30 Prozent der Bewohner werden dann Senioren sein. Im Gegenzug wird die Zahl der Kinder weiter sinken. Der demographische Wandel hat weitreichende Konsequenzen.
Das bedeutet, dass sich unsere Politik einerseits intensiver den Senioren zu widmen muss. Andererseits läuft eine Gesellschaft ohne Nachwuchs Gefahr, ihr innovatives, soziales und wirtschaftliches Potential zu verlieren. Wir wollen uns daher verstärkt für jene engagieren, die unser aller Zukunft sind: die Kinder. Gerade deshalb setzen wir in Jena auf eine aktive Wirtschaftspolitik, um eine weiteres Abwandern junger Menschen zu verhindern.
Alle internationalen Vergleichsstudien belegen, dass in Deutschland die Chancen von Kindern und Jugendlichen so sehr vom sozialen Status der Eltern abhängen wie in keinem anderen europäischen Land. Wir als Sozialdemokraten wollen diese Abhängigkeiten beseitigen. Deshalb treten wir für eine stärkeres Engegement von Staat und Gesellschaft ein, ohne die Eltern aus der Verantwortung zu entlassen.
Junge Frauen und Männer wollen sich nicht mehr alternativ entweder für Ausbildung, Studium und Beruf oder für Familie entscheiden müssen. Sie benötigen eine gute Betreuungsinfrastruktur vor Ort, die verlässlich arbeitet.
Ein Schlüssel für Chancengleichheit von Kindern ist für uns die frühkindliche Bildung. Das erfordert, ein System auszubauen, das Kinder früh fördert, Begabungen unterstützt und Schwächen ausgleicht. Kindertagesstätten haben deshalb für uns einen wichtigen Bildungsauftrag. Wir wollen die Investitionen in Bildung und Betreuung in Jena erhöhen.
- Deshalb halten wir langfristig daran fest, dass die Stadt Jena selbst Träger von Kindertagesstätten bleibt, um Einfluss auf Bildungsqualität und fachliche Begleitung zu sichern. Das haben wir im Kommunalwahlprogramm versprochen.
Wir wollen, dass die Ausgaben im Vorschul- und Kindertagesstättenbereich auch von städtischer Seite erhöht werden, um den direkten Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer, sowie ethnischer Herkunft zu durchbrechen.
- Deshalb wollen wir ab 2010 schrittweise die gesamte Kita-Zeit für Eltern beitragsfrei gestalten. Dieses Ziel kann nur in einem gemeinsamen Engagement von Bund, Ländern und Kommunen erreicht werden.
Wir wollen, dass die Stadt Jena im bedarfsgerechten Ausbau von ganztägigen Betreuungsangeboten bundesweit zum Vorreiter wird. Kinder brauchen frühe Förderung und Eltern brauchen verlässliche Betreuungsangebote.
- Deshalb wollen wir das es in Jena sobald wie möglich einen gesicherten Anspruch auf ganztägige Betreuungsangebote für Kinder vom vollendeten ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt gibt.
Wir wollen, dass Eltern enger in die Arbeit der Kindertagesstätten einbezogen werden, um sie in ihrem Erziehungsauftrag besser zu unterstützen.
- Deshalb wollen wir damit beginnen, Kindertagesstätten zu Eltern-Kind-Zentren auszubauen.
Wir wollen, dass Senioren nicht ausschließlich als Konsumenten in das städtische Leben eingebunden sind, sondern dass man das Potential der Älteren aktiv nutzt.
- Deshalb wollen wir, dass – ähnlich dem Jugendförderplan – die Stadt künftig auch ein seniorenpolitisches Konzept erarbeitet.
Generationengerechtigkeit und ein generationsübergreifender Ansatz steht dabei für uns Sozialdemokraten im Vordergrund.