Diskussionsrunde in der Offenen Arbeit, Erfurt War das überhaupt eine Revolution und wer hat für die Einheit Deutschlands gekämpft und gesorgt? Wie war es damals zu leben und sich politisch zu engagieren? Sind die Menschen von damals noch so aktiv wie einst und was ist heute anders? Alles samt Fragen, die am Donnerstag bis spät in die Nacht zur Diskussion standen.
Wie das Podium mit jungen und alten politisch aktiven Menschen besetzt war (Mein Vater Wolfgang Metz und ich sowie Katharina und Lothar König), so war auch das Publikum eine bunte Mischung aus Leuten von hier und dort, die damals schon alt oder noch jung waren sowie jungen Menschen, die noch klein oder nicht einmal geboren waren, als es noch zwei Staaten in Deutschland gab. Viele politisch interessierte und aktive Menschen haben hier aus vielen verschiedenen Perspektiven für eine belebte, interessante Diskussion mit viel Spaß und noch mehr Erinnerungen gesorgt.
Früher wie heute lebt die Demokratie
Für mich lässt sich festhalten, dass damals mutige Menschen mit tollen Ideen nicht nur die Verhältnisse ändern wollten, sondern dies aktiv taten. Diesen politisch Aktiven ist in Zukunft weiter zu gedenken und nicht einfach einem geeinten Deutschland. Sie waren es die Teilhabe und die Einbeziehung in eine Demokratie forderten, sie wollten über ihr Leben und ihre Gesellschaft mitentscheiden und nach ihrer Meinung gefragt werden. Sie wollten endlich eine gerechte Gesellschaft, eine soziale Demokratie.
Die Erinnerung an die Wiedervereinigung und den langen Weg dorthin darf nicht auf das Schwenken einer schwarz-rot-goldenen Nationalflagge und eine Bejahung des Nationalstaatsprinzips reduziert werden. Es wurde viel auf dem Weg zu unserer heutigen Demokratie erkämpft und erreicht, aber noch immer ist viel zu tun.
Es bleibt viel zu tun
Für mich ist nicht alles Gold was glänzt in diesem Staate. Asyl- und Menschenrechte gesteht der Staat auch heute nicht jedem zu der hier lebt, sondern nur wer einen gültigen deutschen Pass oder eine Genehmigung vorweisen kann, die man natürlich bekommt, wenn man genügend Humankapital mitbringt, wie das schöne neuzeitlich kapitalistische Vokabular betitelt, der hat auch Rechte.
Neben der unakzeptablen gesetzlichen Regelung der Rechte von nicht deutschen Staatsbürgerinnen, in dieser so vorbildlichen westlichen Demokratie, haben wir weiter einen Geheimdienst, der nicht nur auf dem rechten Auge blind ist, sondern linke Strukturen und Akteure kriminalisiert um hier nur auf zwei Problemlagen in diesem Staate hinzuweisen, von den fremdenfeindlichen Einstellungen in weiten Teilen unserer Gesellschaft ganz abgesehen.
Teilhabe ohne soziale Gerechtigkeit?
Damals wie heute bringt sich in der Gesellschaft diejenige ein, die es sich leisten kann. Die entscheidende Frage ist, wer kann sich heute einbringen? Bevor man sich gegen die gegenwärtigen Verhältnisse auflehnt und dafür engagiert eine bessere, eine sozialere Gesellschaft zu erstreiten und zu erkämpfen, braucht es nicht nur die Missstände, welche man ankreidet, sondern auch die Freiheit zur Beteiligung. Von einer Vielzahl von Akteuren wird verkannt, dass Menschen zu allererst eine soziale und materielle Sicherheit brauchen bevor sie sich auf die Straße setzen, bevor sie sich abends zu konspirativen Treffen zusammen raufen oder neben ihrer Erwerbsarbeit einen Großteil ihrer Zeit für ehrenamtliches Engagement aufbringen um etwas zu verändern.
Wer den Umstand verkennt, dass der Abbau des Sozialstaates unsere Demokratie zersetzt und Teilhabe an der Gesellschaft verhindert, verschließt die Augen vor der Wirklichkeit.
Euer Peter Metz