Die Geraer SPD setzt nach 2006 für nächstes Jahr erneut auf Norbert Vornehm als ihren Kandidat für den Oberbürgermeister. Zur SPD-Mitgliederversammlung am Sonnabend waren neben Kultusminister Christoph Matschie erstmals auch Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen und der Linken anwesend. Linken-Stadtvorsteher Schubert überraschte zudem mit kritischen Aussagen zur eigenen Parteigeschichte.
Gera. Wieder tritt Vornehm als unabhängiger Bewerber an. So wurde er von der Mitgliederversammlung am Sonnabend auch nicht gewählt, sondern vielmehr der Antrag auf Wiederwahl unterstützt. Dahinter steht, dass sich die SPD erneut die Unterstützung von Linken und Bündnis 90/Die Grünen wünscht. Auf dieses Verb legte Landtagsabgeordneter Wolfgang Lemb mit Rücksicht "auf das Seelenleben" der anderen Parteien Wert. Bei zwei Enthaltungen wurde sein Antrag angenommen.
Die Anderen waren eingeladen. "Der wechselseitige Besuch unserer Mitgliederversammlungen ist ein Novum in Gera", sagte Linken-Stadtvorsitzender Andreas Schubert. Er hatte am 20. November mit seiner Einladung den Anfang gemacht. Vorgestern wertete er das als Beleg für die gewachsene Qualität der kommunalpolitischen Zusammenarbeit über den Stadtrat hinaus und meinte indem er Christoph Matschie im Präsidium ansah , "dass so die Weichen für eine Zusammenarbeit auf Landesebene gestellt werden".
Als "bemerkenswert" werteten Tilo Wetzel und Norbert Vornehm Schuberts Gesprächsangebot zur Aufarbeitung der Geschichte. "Die SED war keine wirkliche Vereinigung von kommunistischen und sozialdemokratischen Interessen. Sie war ein Geburtsfehler", hatte der Geraer Linke formuliert.
"Liebe Freunde und liebe Freundinnen", wandte sich Grünen-Kreissprecherin Daniela Hoffmann-Weber an die SPD-Mitglieder und betonte, dass ihre Anrede genau so zu verstehen sei. Sie dankte "für die vertrauensvolle und angenehme Zusammenarbeit" und nannte den Bürgerhaushalt als Beispiel.
"Du hast hier als OB hervorragende Arbeit geleistet und dazu beigetragen, dass Gera größere Ausstrahlungskraft erhält", sprach SPD-Landesvorsitzender Christoph Matschie Norbert Vornehm an und sagte seine Unterstützung bei der Entwicklung zur "Kunst- und Kulturstadt" zu.
Bedenken von Mario Potyka, weil Vornehm wieder nicht als SPD-Mann antritt, zerstreute Tilo Wetzel: "Die nächste OB-Wahl ist eine reine Personenwahl". Das sieht auch Lemb so. "Ich bin dafür, dass die führende Persönlichkeit in Gera antritt", sagte er.
Vergeblich sucht René Gäbler politische Lager in der Stadt. Dass es sie nicht gibt, beweise die Haushaltdiskussion, so der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins West. Dass die FDP einen OB-Kandidaten per Zeitungsannonce sucht und die Internetplattform, die "Norbert Hein verhindern sollte", auch nach dessen Rücktritt weiter existiert, bezeichnete Gäbler als Comedy.
Wahlkampfinhalte soll eine Tagung nach der Sommerpause festlegen.
Quelle: Sylvia Eigenrauch / 17.04.11 / OTZ