BESUCH IN DER BUNDESHAUPTSTADT
Sonneberger Gymnasiasten eroberten zwei Tage lang das politische Berlin
VON TOBIAS ROSS
erschienen bei www.freies-wort.de
BESUCH IN DER BUNDESHAUPTSTADT
Sonneberger Gymnasiasten eroberten zwei Tage lang das politische Berlin
VON TOBIAS ROSS
erschienen bei www.freies-wort.de
Schüler der Sozialkunde- und Geografiekurse des Staatlichen Gymnasiums Sonneberg waren zusammen mit VHS-Chef Gustav Humann vor kurzem für zwei Tage im politischen Berlin zu Gast. Ein Erlebnisbericht.
SONNEBERG / BERLIN ? Eigentlich sollte Berlin vereinen; besonders nach all dem, was die lange Zeit geteilte Stadt und ihre Bürger durchmachen mussten. Vielleicht gehört es aber zum Mythos dieser Metropole, dass sie zumindest Meinungen spaltet. Da gibt es kein Grau, höchstens Schwarz und Weiß.
Entweder mag man den morbiden, östlichen Charme am Prenzlauer Berg, den Arbeiterbezirk Wedding und das brave bürgerliche Charlottenburg oder man wird an all dem nichts Beeindruckendes finden.
Entweder kann man mit dem ?Alex? und seiner besonderen Ausstrahlung etwas anfangen oder man verweigert sich komplett (übrigens nicht zu Unrecht) dem neuen Potsdamer Platz mit seinen Genusstempeln und gläsernen Konzernzentralen.
Für uns Schüler ging es an diesen beiden Tagen darum, Berlin von mehreren Seiten kennen zu lernen. Schon kurz nach der Ankunft am Donnerstagvormittag am Bahnhof Zoo (der im Vergleich zu den Zeiten Christiane F.?s glücklicherweise an Anziehungskraft verloren hat) hatten wir die erste Möglichkeit, in Gruppen die Stadt zu erkunden.
Viele blieben an diesem anfangs faszinierenden Bahnhof, andere fuhren zum Potsdamer Platz, nur um festzustellen, dass der Touristenort an einem Januarmorgen unter der Woche wie leergefegt erscheint. Am frühen Nachmittag begann die Stadtrundfahrt mit einem freien Journalisten, dem es in einer Glanzleistung gelang, uns Schülern die politische Seite Berlins näher zu bringen ? inklusive einiger Erläuterungen zu ?Erichs Lampenladen?, dem Palast der ehemaligen Republik, der in einem Akt typisch deutscher ?Geschichtsbewältigung? nun leider verdammt und dem Erdboden gleich gemacht wird.
Was danach kommt, weiß bisher noch keiner. Sollten die benötigten 900 Millionen Euro zusammenkommen, dann wird das alte Stadtschloss wieder errichtet ? eine gewollte, späte Rache an Walter Ulbricht und dessen Sprengungsbefehl.
Der Kennenlern-Rundfahrt folgte der Besuch des sehenswerten Museums: ?The Story of Berlin?. Dieser Einrichtung gelang die Fortsetzung dessen, was Alfred Döblin 1929 so eindrucksvoll in seinem Roman ?Berlin Alexanderplatz? begann: Eine Vorstellung Berlins aus Sicht des kleinen Mannes.
Am Abend, nachdem wir unsere Herberge im ruhigen Wilmersdorf bezogen hatten, wartete noch ein ganz besonderes Highlight: Politisches Kabarett mit Martin Buchholz in den ?Wühlmäusen?, der Heimstätte Dieter Hallervordens. So wurde der Ausflug auch einer in Berlins einmalige Kulturlandschaft.
?Sehr gute Beziehung?
Am späteren Abend ließen wir einen erfolgreichen Tag gemütlich ausklingen. Es zeigte sich, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Schülern und Lehrern bei solchen Fahrten stets das Geheimrezept für gute Stimmung und einen reibungslosen Ablauf ohne Zwischenfälle ist.
Am Freitag morgen hieß es früh aufstehen für den Besuch bei einer Plenardebatte im Deutschen Bundestag. Auch wenn das Thema (?Der Wehrbeauftragte?) nicht wirklich zu Jubelschreien Anlass gab, so war doch die anschließende Diskussion mit unserem Bundestagsabgeordneten Dr. Gerhard Botz (SPD) aufschlussreich. Warum sitzen beispielsweise immer nur ein paar Abgeordnete im Parlament ? Geht der Rest in dieser Zeit Kaffee trinken ?
Auch wenn dies von vielen gerne ignoriert wird, so ist doch das deutsche Parlament ein ?Arbeitsparlament?, das bedeutet, es sind immer nur jene wirklich anwesend, deren Themenfeld gerade besprochen wird.
Alle anderen sitzen in ihren Ausschüssen, wo die eigentliche politische Arbeit des Deutschen Bundestages geleistet wird. Warum sollte auch ein Verteidigungspolitiker in einer Debatte über Landwirtschaft sitzen, wenn man mal den Ansatzpunkt ?Schwerter zu Pflugscharen? weglässt ?
?Ku?damm? bis ?Alex?
Über all das konnten die Schüler bei einem anschließenden Mittagessen im Paul-Löbe-Haus nachdenken, bevor die fünf Stunden Freizeit in Berlin begannen Die einen zog es zum Kurfürstendamm, Berlins Einkaufsboulevard in Mitte, andere schlenderten die Friedrichstraße entlang und der Rest vergnügte sich, so gut es bei diesem eisigen Wetter ging im wunderschönen, fast mondänen Nikolaiviertel, den Hackeschen Höfen und der Schönhäuser Allee am Prenzlauer Berg.
Zum Ende hin war das Rote Rathaus der Treffpunkt für alle, die in diesen beiden Tagen Berlin lieben oder ignorieren gelernt hatten. Beides zusammen geht bekanntlich nicht.
Homepage Dr. Gerhard Botz
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