Matschie und Blumentritt: Graffiti-Wettbewerb stößt auf Kritik

Veröffentlicht am 09.02.2006 in Allgemein

Der von Minister Andreas Trautvetter (CDU) angekündigte Graffiti-Wettbewerb an der neuen Jenaer Autobahnbrücke löst heftige Kritik aus.

Dazu sagte der Jenaer Landtagsabgeordnete Christoph Matschie:

"Ich halte das Projekt für äußerst fragwürdig. Ich habe das Gefühl, dass dies viele Jenaer Bürger auch so sehen. Die Gremien der Stadt Jena sind nicht einbezogen worden. Der Denkmalschutz wird ignoriert. Die Art und Weise, wie Minister Trautvetter vorgeht, kann nur als selbstherrlich bezeichnet werden.

Völlig unverständlich ist mir, weshalb die zuständigen städtischen Gremien nicht einbezogen werden. Im Stadtentwicklungsausschuss gab es keinen Beschluss, der Ortschaftsrat wurde nicht gefragt, das Ordnungsamt ist in die Planungen nicht einbezogen worden. Hat Trautvetter etwa Angst, dass sie nicht zustimmen würden?

Man muss wissen, dass der Brückenneubau deshalb mit den teureren Rundbögen erfolgt ist, weil es der Denkmalschutz so forderte. Eine Brücke mit einfachen Pfeilern wäre wesentlich preiswerter gewesen. Ziel war es, das Erscheinungsbild der alten geschützten Brücke nicht zu beschädigen. Diese Entscheidung halte ich auch für nachvollziehbar. Und genau deshalb ist es völlig unverständlich, dass Trautvetter nun plötzlich den Denkmalschutz ignorieren will. Denn es gibt für jedes Denkmal auch einen Umgebungsschutz. Das kann auch ein Minister nicht ignorieren.

Unterm Strich ist das Vorgehen des Ministers nicht hinnehmbar. Ich werde das Thema in den Thüringer Landtag bringen. Dort soll der Minister Stellung beziehen und sein selbstherrliches Verhalten erklären."

Der Ortsbürgermeister Volker Blumentritt wird im Stadtrat eine entsprechende Anfrage stellen:

"Im Rahmen der Umgestaltung der BAB A4 im Bereich Jena Lobeda mit einem Investitionsvolumen von 150 Mio. ergab sich die Notwendigkeit neben der schon seit nunmehr 70 Jahren bestehenden, denkmalgeschützten Saalebrücke eine 2. Brücke zu bauen. Diese 2. Brücke wurde mit einem großen, bautechnischen Aufwand dem Erscheinungsbild der s. g. Göschwitzbrücke angepasst.

Nun soll nach Aussage des Thüringer Verkehrsministers, Herrn Trautvetter, mittels eines deutschlandweiten Wettbewerbes diese neue Brücke großflächig für Graffiti freigegeben werden.

Die denkmalgeschützte Göschwitzbrücke ist ein technisches, denkmalgeschütztes Kunstwerk, dessen Aussage nicht verfälscht werden darf. Das Thüringer Amt für Straßenbau, die offizielle Denkmalbehörde der Stadt Jena und insbesondere die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Jena sind an mich herangetreten, da sie weder in den Entscheidungsprozess dieses Vorhabens eingebunden wurden noch mit diesem Vorhaben einverstanden sind. So wurde auch der Stadtrat bzw. der Ausschuss für Stadtentwicklung in dieser Frage nicht einbezogen.

Dass legale Graffitis durchaus ein wirksames Mittel gegen illegale Sprühereien sein können, wird nicht bestritten. Nur sehe ich hier, und da stehe ich sicher nicht alleine mit meinen Befürchtungen, dass neben der angebotenen legalen Fläche dann die denkmalgeschützte Brücke Opfer derer wird, die bei diesem Wettbewerb nicht zum Zuge kamen bzw. Graffiti nur als Zerstörung des öffentlichen Raumes ansehen.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, hiermit stelle ich folgende Frage:

Welchen Sinn macht es, beim Bau der Brücke denkmalschützerische Auflagen erfüllen zu müssen, um dann im nächsten Schritt den massiven Eingriff ins Gesamterscheinungsbild zuzulassen, der von Denkmalschützern so sicherlich nicht gebilligt wird?"

In seiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter wandte sich Volker Blumentritt an Verkehrsminister Tiefensee:

"Sehr geehrter Herr Minister,

heute wende ich mich an Sie, mit der Bitte um Einflussnahme, auf die Entscheidung des Thüringer Verkehrsministeriums, den Sichtbeton an den Bögen der neuen Saaletalbrücke in Jena mit Graffitikunst gestalten zu wollen.

In der Planung des aus Bundesmitteln finanzierten 150 Mio teuren Bauvorhabens zur Umgestaltung der BAB A4 wurde stets Rücksicht auf das harmonische Zusammenspiel der neuen Brücke mit der 70 Jahre alten, denkmalgeschützten Göschwitzbrücke genommen.
Aus diesem Grund scheint es mir unvorstellbar, dass das Vorhaben der Thüringer Landesregierung die denkmalschützerischen Auflagen erfüllen soll.

Ich bitte Sie nun im Rahmen Ihrer Möglichkeiten diesem Vorhaben Einhalt zu gebieten und Herrn Verkehrsminister Trautvetter zur Vernunft zu bringen.

Für Ihr Engagement bedanke ich mich im Voraus und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
Volker Blumentritt

 
 

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