"Dreiste Zahlentrickserei bei der Neueinstellung von Lehrern" – so lautet der Vorwurf von Hans-Jürgen Döring, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, an Kultusminister Müller. Döring bezieht sich dabei auf die heutige Pressekonferenz des Ministers zum Schuljahresbeginn, bei der Müller verkündet hat, Thüringen werde im Schuljahr 2009/10 insgesamt 111 Pädagogen neu einstellen.
Da diese Anstellungen aber nicht in Vollzeit erfolgen sollen, sondern entsprechend der gültigen Floatingverträge lediglich in Teilzeit, entspricht diese Zahl nach Dörings Berechnungen lediglich 89,45 Vollzeitstellen. "Das widerspricht eindeutig einem Landtagsbeschluss vom 3. April", kritisiert der Bildungsexperte. Das Parlament habe seinerzeit mit den Stimmen der CDU-Mehrheit beschlossen, im neuen Schuljahr "Lehrer im Umfang von mindestens 100 Vollzeitbeschäftigten neu einzustellen", zitiert Döring den Landtagsbeschluss. Kultusminister Müller unterlaufe so den erklärten Parlamentswillen und manipuliere die Öffentlichkeit.
Der Bildungspolitiker kritisiert zudem, dass von den 111 Neueinstellungen lediglich 11 unbefristet sein sollen. "Bereits heute ist erkennbar, dass wir durch das altersbedingte Ausscheiden eines Großteils der Thüringer Lehrer über Jahrzehnte erheblichen Bedarf an Nachwuchspädagogen haben werden", sagt Döring. Trotzdem sei das Kultusministerium nicht bereit, seine bisherige Praxis befristeter Anstellungen zu korrigieren. "Mit einer derart verfehlten Personalpolitik werden den Thüringer Nachwuchspädagogen auch weiterhin keine echten Zukunftsperspektiven im Land geboten", kritisiert der Bildungsexperte.
Die SPD-Landtagsfraktion wolle hingegen jedem erfolgreichen Lehramtsanwärter ein Angebot auf eine unbefristete Vollzeitanstellung machen.
Döring kritisiert ferner Müllers Behauptung, die bis 2015 altersbedingt ausscheidenden 4.900 Lehrer entsprächen bloß 2.500 Vollzeitstellen. "Nach meinen Berechnungen sind das fast 4.000 Vollzeitstellen, die neu besetzt werden müssen", sagt der Bildungspolitiker. Mit den von Müller geplanten jährlich 500 Neueinstellungen ab 2011 sei dieser Personalbedarf nicht zu decken.
Quelle: www.spd-thl.de