Von Sylvia Eigenrauch
Gera. Der neunjährige Nandi aus Serbien wünscht sich einen ferngesteuerten Helikopter zu Weihnachten. Die siebenjährige Landsmännin Vera hat eine Rapunzel-Barbie auf ihren Wunschzettel geschrieben. Gestern gehörten die beiden zu den 30 Flüchtlingskindern aus 18 Nationen, die vorab mit Geschenken überrascht wurden.
Zur Weihnachtsfeier ins Kultur- und Kongresszentrum hatte erstmals die SPD Gera eingeladen. Ermöglicht haben die altersgerechten Geschenke und das gemeinsame Kakao-Trinken Kreisverband, Ortsvereine, Stadtratsfraktion und Landtagsabgeordneter. Obendrein hatte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) privat 30 Geschenke gepackt. Bastelmaterial und Lernspiele gehörten dazu. „Ich bin von der Idee begeistert, Asylbewerberkinder einzuladen. Das kenne ich andernorts in Thüringen nicht“, sagte die Ministerin, die sich mit den Kindern freute. Die Idee für diese Feier hatten die SPD-Mitglieder Tanja Thoß, Ingrid Gumpert und Karin Senf. Seit sie zum diesjährigen Sommerfest Flüchtlingsfamilien in der Geraer Gemeinschaftsunterkunft kennen lernten, riss der Kontakt nicht ab. Mit Unterstützung ihrer Parteifreunde finanzieren sie seit September zwei Monatskarten für die Fahrten in die Berufsschule und für ein Kleinkind den Zuschuss für die Kindertagesstätte. In der interkulturellen Woche haben SPD-Frauen mit Flüchtlingsfrauen gemeinsam gekocht und gegenwärtig wird überlegt, für die Kinder zusätzlichen Deutschunterricht zu ermöglichen, so Fraktionschef Armin Allgäuer. Weil Flüchtlinge sonst völlig aus dem Blick sind, bewertet Diakonie-Geschäftsführer Lars Eisert-Bagemihl den Einsatz der SPD als „eher ungewöhnlich“. Ihn beeindruckt, dass die Hilfe für die Ärmsten in Deutschland nicht vordergründig geschieht. Er hoffe, dass es so bleibt. „Es ist das erste Mal, dass eine Partei sich so intensiv für die Flüchtlinge eingesetzt hat“, beobachtet Diakonie- Mitarbeiterin Andrea Dittrich. Und Heidrun Svatosch Mitarbeiterin in der Gemeinschaftsunterkunft, erlebte die neugierigen Fragen, was wohl bei der Weihnachtsfeier geschieht. „Vielleicht kommt der Weihnachtsmann“, sagte sie und ließ die Spannung steigen. Die Diakonie Ostthüringen betreut im Auftrag der Stadt die Flüchtlingsfamilien. Einige von ihnen leben seit 1999 in Gera, andere, wie die Mädchen aus dem Kosovo, sind erst vorige Woche hier angekommen. „Es ist richtig schön hier, manchmal braucht man so was“, sagte gestern die aus der Türkei stammende Großmutter der fünfjährigen Fayzanur. Dass auch künftig geholfen werden kann, will der 24-jährige Mathias Bribach sein großformatiges Bild „Mutation einer Milbe“ versteigern lassen. Bei welcher Veranstaltung genau, dafür will Heike Taubert einen Vorschlag unterbreiten.
Quelle: OTZ, 23.12.2010