Gemeinsames bildungspolitisches Forum von CDU und SPD Koalitionsfraktionen diskutieren Entwicklungsperspektiven der Förderzentren und des gemeinsamen Unterrichts
Erfurt – Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf sollen stärker in das allgemeine Bildungssystem einbezogen werden. Zentrales Anliegen ist, sie im gemeinsamen Unterricht bestmöglich zu bilden und zu fördern, ohne diesen Weg für alle festzuschreiben. Gesucht wird ein Gesamtkonzept, in das wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen gleichermaßen einfließen. Das ist das Ergebnis eines gemeinsamen Forums der Landtagsfraktionen von CDU und SPD unter dem Titel „Entwicklungsperspektiven der Förderzentren und des gemeinsamen Unterrichts in Thüringen“ an dem am Freitagabend im Landtag, rund 200 Fachleute und Interessierte teilnahmen und lebhaft debattierten.
Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Volker Emde, und der Leiter des Arbeitskreises Bildung der SPD-Fraktion, Hans-Jürgen Döring, verdeutlichten im Anschluss an die Tagung, dass die regierungstragenden Fraktionen gemeinsam mit Wissenschaftlern, Schulpraktikern und Eltern zu einer Lösung kommen wollen, „bei der wir die besondere Verantwortung gegenüber den Kindern und Heranwachsenden mit sonderpädagogischen Förderbedarf stets vor Augen haben. Jedes Kind kann nur einmal zur Schule gehen.“ Das gemeinsame Forum habe gezeigt, dass auf diesem Weg viele
Aspekte im Blick zu behalten sind.
Emde würdigte die Leistung der Thüringer Förderschulen. „Sie haben in denvergangenen 20 Jahren Vorbildliches geleistet und viele Schülergenerationen in eine erfolgreiche Zukunft geführt. Aus Sicht der CDU ist es deshalb auch zukünftig wichtig, dass Schüler an Förderschulen eingeschult und in diesem geschützten Raum beschult werden können; unbeschadet des Ziels, den gemeinsamen Unterricht auszuweiten“, sagte der CDU-Bildungsexperte. Laut Döring „fordert die Erfüllung der UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen einen Wertewandel: Der Besuch der allgemeinen Schule sollte für alle Kinder zur Regel werden – der Besuch einer Förderschule eine Ausnahme, die zu begründen ist.“
Die Koalitionsfraktionen unterstreichen den Prozesscharakter der
angestrebten Entwicklung. „Im Dialog mit Eltern, Lehren und Kindern wollen wir die Bedingungen dafür schaffen, dass das gemeinsame Lernen gelingen kann“, formuliert Döring den hohen, auf Beteiligung bauenden Anspruch. Für Emde können „gemeinsamer Unterricht und Schuleingangsphase nur in dem Maß ausgebaut werden, wie sie von Schulen und Lehrern leistbar sind und bei Eltern und Partnern Akzeptanz finden. Gut Ding will gute Weile haben.Deshalb sollen Förderzentren und Schulen, die integrativ unterrichten, kooperieren und einander ergänzen“, so der bildungspolitische Sprecher der CDU.