In einer neuen Studie der Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, heraus gegeben vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend analysieren die beiden Autorinnen Uta Bauer und Susanne Decker Frauenkarrieren in Ostdeutschland.
Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit gibt es erhebliche Differenzen in den kulturellen Einstellungen und Lebensumständen der Menschen in den neuen und alten Bundesländern.
So haben Frauen in den Neuen Ländern ihre größere Teilhabe in der Berufswelt erfolgreich und selbstbewusst verteidigt.
Ihre Erwerbsmuster haben sich trotz hohem Druck auf dem Arbeitsmarkt nicht den westdeutschen Mustern angepasst.
Grund genug, neue Fragen zu stellen. Welche Strukturen – gesellschaftlich-kulturelle, wirtschaftliche und private – ermutigen Frauen in den Neuen Bundesländern, berufliche und private Lebensziele erfolgreich miteinander zu verbinden? Wie sehen Unternehmenskulturen aus, die Frauen in größerer Zahl darin unterstützen, leitende Funktionen zu übernehmen? Herrscht in ostdeutschen Unternehmen und Verwaltungen ein partnerschaftlicher Umgang – jenseits von klassisch männlich geprägten Strukturen wie Dominanz, „Ellbogenkultur“, Statusdenken?
Nach wie vor sind für viele junge Frauen in den Neuen Ländern das Mutterdasein und die Berufstätigkeit keine Gegensätze. Frauen im Osten Deutschlands wollen auf nichts verzichten und keine Kompromisse eingehen. Sie wollen für sich ein volles und erfüllendes Leben gestalten. Dies lässt auch eine größere Unterstützung im Privaten, zum Beispiel in den Partnerschaften, vermuten. Haben nicht nur die Frauen sondern auch die Männer
im Osten Deutschlands einen Gleichstellungsvorsprung?
Diese Fragen sind auch deshalb von Bedeutung, da die Entscheidung für eine anspruchsvolle Berufslaufbahn Frauen noch mehr individuelle Kompromisse abverlangt als Männern.
Viele Frauen, die Führungspositionen besetzen, haben insbesondere im Westen des Landes häufig keine Kinder. Manche müssen unfreiwillig auf eine Partnerschaft verzichten. Neben
der viel zitierten „gläsernen Decke“ sind diese Restriktionen ein wesentlicher Grund für den hartnäckigen „gender gap“ in Führungspositionen. Es gibt immer noch zu wenig weibliche
Rollenvorbilder, die Karriere, Partnerschaft und Kinder erfolgreich in Einklang bringen.
Antworten auf diese Fragen können für Unternehmen interessant sein, denn vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels konkurrieren sie zunehmend um qualifiziertes Personal. Sie müssen überlegen, was sie gut qualifizierten Frauen bieten, damit diese Berufs- und Privatleben verbinden können. Gerade hoch qualifizierte Frauen leben in sogenannten Doppel-Karriere-Partnerschaften, die Beschäftigungsoptionen für beide Partner erfordern.
Methodisch stützen sich die Autorinnen der hier vorliegenden Studie auf die Auswertung von Sekundäranalysen und eigene quantitative und qualitative Erhebungen. Dazu gehört eine
offene Online-Befragung zu gewünschten und gelebten Familienmodellen sowie Einschätzungen zu Karrierechancen und –hindernissen von Frauen, an welcher 655 Personen aus den neuen und alten Bundesländern teilgenommen haben. Darüber
hinaus wurden 14 qualitative Interviews mit erfolgreichen Führungsfrauen und Expertinnen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft geführt und dabei die Rahmenbedingungen
für ihren persönlichen Aufstieg beleuchtet.
Zur Erweiterung der Datengrundlage wurden darüber hinaus gesonderte Auswertungen aktueller repräsentativer Studien in Auftrag gegeben. Einerseits wurden ausgewählte Fragestellungen der BRIGITTE-Studie „Frauen auf dem Sprung. Das Update“
aus dem Jahr 2009 (Allmendinger 2009) noch einmal nach Ost- und Westdeutschland differenziert ausgewertet und sind in die Ausführungen eingeflossen. Für eine historische Perspektive wurden ausgewählte Daten zu partnerschaftlichen Einstellung
von Vätern, welche im Jahr 1990 im Rahmen der Vergleichsstudie „Familienpolitik im Umbruch?“ von osteuropäischen Staaten durch das Deutsche Jugendinstitut München erhoben wurden, erneut ausgewertet.
Darüber hinaus wertete das Institut Sinus Sociovision im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) die quantitativen Erhebungen der in
diesem Jahr veröffentlichten Studie „Frauen in Führungspositionen – Barrieren und Brücken“ (Wippermann 2010) noch einmal differenziert nach neuen und alten Bundesländern aus.
Die Ergebnisse sind als eigenständiger Artikel unter dem Titel „Mehr Frauen in Führungspositionen! Vergleichende Analyse von Führungskräften in Ostdeutschland und Westdeutschland“ im zweiten Teil der vorliegenden Studie zu finden.
Die ganze Studie finden Sie unter:
http://www.frauenmachenneuelaender.de/studie
oder fragen Sie bei der ASF Thüringen oder dem Landesfrauenrat nach dem pdf-Dokument.