Festrede zum Volkstrauertag am 19. November 2006 in Meiningen

Veröffentlicht am 21.11.2006 in Allgemein

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,
die sie heute am Volkstrauertag den Weg hierher gefunden haben, um in der Gemeinschaft den Opfern von Kriegen aber auch den Opfern von Willkür, Gewalt, Unmenschlichkeit und rücksichtlosem Machtstreben zu gedenken.

Ihre Anwesenheit zeigt, dass der Volkstrauertag mehr ist, als nur ein grauer Sonntag ? einer von vielen ? an dem der Mensch, quasi vom Terminkalender verordnet, Trauer tragen soll.
Ich sage dies bewusst, weil zunehmend mehr Menschen nicht mehr bereit sind, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Das Erinnern an eine leidvolle Vergangenheit ist nicht nur Mahnung, sondern auch eine Herausforderung für jeden Einzelnen von uns.

?Das ist lange her, was hab ich damit zu tun??, wird sich gerade mancher junge Mensch fragen. In der Tat: Die Zahl derer, die den Krieg noch aus eigenem Erleben kennen, wird immer kleiner.
Wir sollten wirklich dankbar dafür sein, dass wir in Deutschland seit nunmehr über 60 Jahren in Frieden leben. ? Das ist ein riesiges Glück, birgt aber auch eine Gefahr.
Denn die immer größer werdende zeitliche Distanz darf niemanden in die Versuchung führen, Geschichte, Schuld und Leid zu verharmlosen oder gar zu vergessen.

Der Schriftsteller Ludwig Börne sagte einmal: ?Der Schmerz ist der große Lehrmeister der Menschen.? Die Älteren unter uns verbinden diesen Schmerz noch mit Gesichtern und Bildern des Elends oder vielleicht auch Stimmen, die die Grausamkeit des Krieges noch bewusst werden lassen. Für sie ist Trauer noch persönlicher Schmerz.

Wir alle haben eine Verantwortung diese Bilder der Erinnerung immer mahnend in Erinnerung zu behalten und auch den jüngeren Generationen mit auf den Weg zu geben.
Dafür bietet dieser Volkstrauertag eine angemessene Gelegenheit.

An dieser Stelle möchte ich bereits all denen mein Respekt und meine Hochachtung aussprechen, die dazu beitragen, dass die Geschichte nie in Vergessenheit gerät und dass das Leid, welches die Kriege in der Vergangenheit über die Völker gebracht hat, nie verharmlost wird.

Die Weitergabe von Erinnerungen lässt diesen sonst vielleicht ?grauen Sonntag? auch zu einem Tag werden, der Generationen verbindet, indem die Älteren unter uns die Erinnerungen an die Jüngeren weiter geben.
Denn nur so können wir auch sicher sein, dass wir die Erinnerungen in gute Hände geben.

Mehr Achtung, mehr Verständnis, mehr Hilfsbereitschaft, mehr Verantwortung für die Mitmenschen ? das klingt vielleicht Altbacken, ist aber leider Gottes schon lang keine Selbstverständlichkeit mehr. All das sind Bausteine einer besseren Welt, die jeder von uns mit zusammentragen kann und muss.

Denn nur wer Frieden mit seiner eigenen kleinen Welt schließt, kann vom Frieden in der großen Welt träumen.

Es reicht nicht nur Frieden nach außen zu schließen. Die ?neuen? Herausforderungen erfordern auch einen inneren Frieden, um eine Spaltung und ein Auseinanderdriften der Gesellschaft zu verhindern.

Nicht alle Bedrohungen sind so offensichtlich. Wie uns auch in der jüngsten Vergangenheit beispielsweise der Terrorismus verdeutlichte, wachsen Bedrohungen oft im Verborgenen;
Es kann lange dauern, bis sie endlich zu Tage treten.

Die Wahlergebnisse von NPD und DVU in mittlerweile einigen Bundesländern sind eine solche ganz konkrete Bedrohung für unsere Zivilgesellschaft. Auch wenn sie noch nicht in Thüringer Parlamenten sitzen, ist dies auch hier, vor unserer Haustür, eine ganz konkrete Bedrohung.

Diese Parteien haben die Spaltung unserer Gesellschaft zum Ziel, sie wollen Konflikte notfalls mit Gewalt austragen und bestimmte Gruppen aus unserer Gesellschaft ausgrenzen.

Ihnen ist es gelungen gerade bei vielen Jugendlichen Gehör zu finden. Jugend ist verführbar ? auch das haben uns die Kriegs- und Krisenzeiten gelehrt!

Dieser Verführbarkeit zu widerstehen ? auch dazu sind wir im Andenken an die Opfer verpflichtet.

Daher ist es unsere Aufgabe, Jugendliche durch Aufklärung gegen diese politischen Rattenfänger zu immunisieren. Wir müssen ihnen zeigen, dass die einfachen Wahrheiten, die ihnen die Rechten anbieten, Irrwege sind.

Dies zeigt auch, dass das Anliegen des Volkstrauertages nicht allein das vergangenheitsorientierte Gedenken, sondern auch ein tagesaktuelles Mahnen sein muss.

Im Besucherbuch einer italienischen Kriegsgräberstätte steht geschrieben: ?Es ist schön, in Frieden zu ruhen, aber es ist besser, in Frieden zu leben.?

Fast täglich erleben wir es auch heute aufs Neue, welch ein empfindliches und zerbrechliches Gut der Friede ist.
Machtgier und Hass, religiöser Fanatismus, Druck und Gegendruck ? oft genügt nur ein Funke, um ein neues Feuer der Gewalt zu entfachen. Ganz gleich ob das im Irak, in Palästina, im Libanon oder im Kongo ist.

Auch wir Deutschen werden mit dem Thema Krieg wieder zunehmend konfrontiert, schon alleine weil immer mehr junge Deutsche, als Soldaten in diesen Kriegs- und Krisengebieten eingesetzt werden. Unser Gedenken soll auch den Menschen dienen, die in diesen ?modernen? Kriegen ihr Leben verlieren oder für ihr Leben gezeichnet werden.

Ich bin nicht im Geringsten für diese kriegerischen Auseinandersetzungen.
Ich möchte aber auch eines ganz klar sagen: Wir haben in der Weltgemeinschaft eine Mitverantwortung Frieden zu stiften, ihn zu sichern und zu erhalten.
Wir dürfen nicht weg schauen, wenn in der Welt so großes Unrecht geschieht.

Mit dieser Verantwortung müssen wir aber sehr gewissenhaft umgehen ? nicht nur der Verantwortung unserer Soldaten gegenüber.
Es braucht heute wie damals vor allem persönliche Größe dem Spiel der ?Mächtigsten? zu widerstehen.
Vor gar nicht all zu langer Zeit, hat das deutsche Volk diese Größe und das Verantwortungsbewusstsein bewiesen, indem es nicht mit den ?Mächtigen? in den Irak-Krieg gezogen ist. Gerhard Schröder und Joschka Fischer waren es, die diese persönliche Größe hatten und ihren Auftrag als Volksvertreter wahrgenommen haben und Amerika hier eigenverantwortlich die Gefolgschaft versagten.

Uns allen ist klar, dass wir Geschichte heute nicht mehr verändern können. Aber wir alle sind aufgefordert aus ihr zu lernen.

Nun wollen wir uns erinnern

- an die, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen und bis heute lassen.
- an die, die in Gefangenschaft gerieten und nicht mehr heimkehrten.
- Wir gedenken der Menschen, die Opfer der Diktatur wurden, wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder nur, weil sie einer anderen Rasse angehörten
- Wir gedenken der Toten, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen und lassen.
- Wir gedenken der Opfer der Bombardierungen in Meiningen, Deutschland und in aller Welt,
- Unser Erinnern richtet sich aber auch auf die, die Widerstand leisteten und ihre Courage mit dem Leben bezahlten.

Verneigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten, die für uns ihr Leben ließen.

 
 

Homepage Rolf Baumann

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