Am Samstag den 06.10.2012 erschien in der OTZ / TLZ von Lutz Prager nachfolgender Artikel.
SDP gründet sich am Republikgeburtstag
Jenaer Kalenderblatt: SPD-Landesvorsitzender Christoph Matschie: Bei Feier der deutschen Einheit nicht die Frauen und Männer vergessen, die für die Freiheit im Herbst 1989 ein hohes Risiko eingegangen sind.
Jena. Vor 23 Jahren, am 7. Oktober 1989, gründete sich in der DDR die Sozialdemokratische Partei (SDP) als erste neue Partei der friedlichen Revolution.
Auf dieses Datum machte SPD-Landesvorsitzender Christoph Matschie aufmerksam. Die Gründung in Schwante bei Berlin führte auch in Jena am 10. November 1989 zur Gründung eines Ortsverbandes. Neben Christoph Matschie, der kurze Zeit später am Zentralen Runden Tisch in Berlin Platz nahm, gehörten Gotthard Lemke, Peter Oberthür, Rainer Hartmann und andere zu den Gründern in Jena. Das erste Büro der neuen Partei wurde in der Wohnung von Achim Hoffmann in der Dornburger Straße eingerichtet. »Wir hatten hier in Jena innerhalb weniger Tage 200 Mitglieder«, sagt Matschie. Dass es vor allem Angehörige der Theologischen Fakultät der Universität waren, die die SDP gründeten, erklärt Christoph Matschie damit, dass es nur dort die nötigen Freiräume gegeben habe, um zu diskutieren. »Das war an anderen Orten in der Stadt gar nicht möglich«, so der heutige Wissenschaftsminister der Landesregierung. Dass man sich nicht gleich SPD nannte, sei eine Frage der Eigenständigkeit damals in der DDR gewesen. Doch Anfang 1990, mit der Vorbereitung der ersten freien Wahlen, wurde aus der SDP dann die SPD.
Weshalb aber ausgerechnet die Gründung am 7. Oktober, dem Nationalfeiertag der DDR? »Das hatte ganz praktische Gründe. Der Staatsapparat und die Sicherheitsorgane waren an diesem 40. Jahrestag der DDR beschäftigt, so dass die Versammlung in Schwante nicht auffiel«, sagt Matschie. Andererseits habe dieser Tag auch Symbolcharakter gehabt, denn die SDP sei angetreten, um den alleinigen Machtanspruch der SED zu brechen und eine soziale Marktwirtschaft aufzubauen.
Gemeinsam mit den anderen neuen Gruppierungen wie Neues Forum und Demokratischer Aufbruch habe man die Demonstrationen in Jena organisiert. Die erste fand am 25. Oktober statt. Bei der größten Montagsdemo im November, fünf Tage vor dem Mauerfall, kamen 30 000 Menschen auf den Eichplatz, damals Platz der Kosmonauten. »Es ist bis heute kaum zu glauben, mit welchen primitiven Mitteln Flugblätter hergestellt wurden«, sagt Matschie. Kopierer gab es nicht.
»Wenn wir in dieser Woche den Tag der deutschen Einheit feiern konnten, dann möchte ich vor allem an die mutigen Frauen und Männer von damals erinnern«, sagt Matschie. Sie hätten für die Freiheit eines ganzen Volkes sehr viel riskiert und mit ihrem besonnenen Handeln die Friedlichkeit dieser Revolution erst möglich gemacht.