Eltern wollen keine Betreuungsanstalt

Veröffentlicht am 01.06.2006 in Allgemein

Mütter, Väter, Erzieher und Gemeinderäte suchen Lösung für Bernsgrüner Kindereinrichtung

Sie wollen sich regen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist - so die Motivation der Eltern aus Bernsgrün und Umgebung. Zur Elternversammlung am Dienstagabend in der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte "Arche Noah" waren nicht nur die Mütter und Väter anwesend, auch Mitglieder des Gemeinderates Vogtländisches Oberland und Vertreter der Cossengrüner Kindereinrichtung waren gekommen, um gemeinsam über finanzielle Probleme, über die Absicherung einer fachkundigen qualitätsgerechten Betreuung der Kinder sowie die Aufrechterhaltung der Hortgruppe zu diskutieren.

Das Fazit des Abends: Sie wollen sich an der thüringenweiten Aktion des Volksbegehrens "Für eine bessere Familienpolitik" beteiligen und viele Kräfte dafür mobilisieren. Ebenso forderten die Eltern gemeinsam mit den Erzieherinnen der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte "Arche Noah" den Gemeinderat Vogtländisches Oberland auf, über die Möglichkeiten nachzudenken, wie die Kindereinrichtungen der Gemeinde finanziell unterstützt werden können. "Das ist der beste Weg in die Zukunft der Gemeinde zu investieren", so die Pastorin Antje Gerlach.

Die finanzielle Situation der Bernsgrüner Kindereinrichtung ist durch das im Dezember 2005 durch die Landesregierung beschlossene neue Kindertagesstättengesetz prekär geworden und durch die darauf basierende Bedarfsplanung des Landkreises Greiz für das Kindergartenjahr 2006/2007. Für die in Bernsgrün zu betreuenden 36 Mädchen und Jungen sind bei der gesetzlich festgeschriebenen neunstündigen Betreuungszeit 2,87 Vollbeschäftigte einzusetzen. Die fünf Erzieherinnen würden 114 Stunden pro Woche beschäftigt sein.

Doch die Bernsgrüner Einrichtung hat entsprechend dem Bedarf der Eltern täglich von 6 bis 17.30 Uhr geöffnet. Pro Tag insgesamt elfeinhalb Stunden. "Dadurch, dass viele Eltern einen Arbeitsplatz außerhalb der Region haben, sind wir nicht in der Lage, das Landesmodell zu übernehmen", so die Erzieherin Petra Schuster. Aus der errechneten gesetzlichen Vorlage und der Notwendigkeit ergibt sich eine Differenz von einer Halbtagskraft, also rund 18000 Euro pro Jahr. "Wenn wir eine qualitative fachkundige Arbeit leisten und nicht nur eine Betreuungsanstalt sein wollen, dann benötigen wir diese Arbeitskraft", unterstreicht Pastorin Antje Gerlach die Notwendigkeit und verweist darauf, dass sie mit dem ihnen anvertrauten Geld sparsam umgehen. Allerdings räumt auch sie ein, dass die Einrichtung auf die Eltern und die Unterstützung durch die Gemeinde angewiesen ist. "Wir sind kein Wirtschaftsunternehmen", so die Pastorin. Zur Aufrechterhaltung der Hortgruppe sagt sie: "Wenn wir den Weg gehen, dann nur alle gemeinsam".

Die Gemeinderäte verwiesen darauf, dass die Kommune die finanziellen Hürden vom Land aufgebürdet bekommen hat. "Wir müssen uns miteinander verbünden und stark machen", so das Cossengrüner Ratsmitglied Dietmar Mecklenburg.Wir wollen eine qualitative fachkundige Arbeit leisten und keine Betreuungsanstalt sein.

Quelle: Antje Gerlach, Pastorin; OTZ Zeulenroda-Triebes

 
 

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