Im „Goldenen Löwen“(v.l.) Karin Richardt, Prof. Dr. Helga Grebing, Dr. Wolfgang Schenk Eisenach ist neben Weimar die größte Touristenattraktion Thüringens. Aus mehreren Gründen! Es ist der geografische Mittelpunkt Deutschlands (nicht Oberdorla). Deshalb empfiehlt sich Eisenach für zentraleuropäische Tagungen, gesamtdeutsche Familientreffen und Veranstaltungen vielerlei Genre. Die Stadt liegt am Fuße des bedeutendsten deutschen Nationaldenkmals, der Wartburg, die seit dem Studentenfest von 1817 die Ideale von Freiheit und deutscher Einheit verkörpert. Und nicht zuletzt hat die Stadt am Beginn des Rennsteigs mit dem Mittelgebirge die schönere Umgebung als Weimar. Hinzu kommen acht Museen unterschiedlicher Art, vom Luther- übers Bachhaus, dem Reuter-Wagner-Museum bis zum Automobilbaumuseum mit dem einst in Eisenach produzierten PkW „Wartburg“.
Dieses Museumsmosaik enthält ein seltenes Mosaiksteinchen der Museenlandschaft: die Ausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Gedenkstätte „Goldener Löwe“ Im Jahr 1869 wurde in Eisenach die erste Arbeiterpartei mit sozialdemokratischem Namen gegründet. Die größere politische Liberalität im damaligen Großherzogtum Sachsen – Weimar – Eisenach, verglichen mit Preußen, und die verkehrstechnisch optimale Lage im „grünen Herzen Deutschlands“ bewirkten, dass August Bebel und seine Mitstreiter Eisenach als Tagungsort auswählten.
Die Situation Thüringens als Mittelpunkt Deutschlands trug dazu bei, dass insgesamt die drei wichtigsten Programm-Parteitage der Sozialdemokratie im 19. Jahrhundert hier stattfanden: nach Eisenach in Gotha 1875 und in Erfurt 1891. Erfurt hat heute dazu allerdings nichts Historisches mehr zu bieten. So ist der „Goldene Löwe“ in Eisenach zur Besucherstätte für den politischen Pilgertourismus der deutschen Sozialdemokratie geworden. Neben SPD-Genossen kommen aber auch pädagogisch tüchtige und fachlich engagierte Geschichtslehrer mit ihren Schulklassen. Sie können mit Hilfe der Ausstellung und einem dazu angebotenen Stundenbild Geschichtsunterricht anschaulich gestalten.
Auch Prof. Dr. Helga Grebing besuchte die historische Stätte
Oft hat die sozialdemokratische Gedenkstätte „Goldener Löwe“ in Eisenach hochkarätigen Besuch. Unter den Gästen, die vielfach mit dem SPD-Reise-Service aus ganz Deutschland und Österreich kommen, weilte auch die derzeit prominenteste Fachfrau zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Professorin Dr. phil. et Dr. rer pol. habil. Helga Grebing. Bescheiden im Auftreten, fern jeder professoralen Arroganz, aber mit höchster Sachkompetenz nahm sie die Reiseteilnehmer in einem Einführungsvortrag mit auf eine Spurensuche zur Geschichte der Sozialdemokratie. Zu Beginn des Aufenthaltes im „Goldenen Löwen“ hatte Karin Richardt, die Geschäftsführerin der August-Bebel-Gesellschaft, die Trägerin der sozialdemokratischen Traditionsstätte unter der Wartburg ist, die Gäste willkommen geheißen und bewirtet. Sie sprach die begründete Erwartung aus, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung eine umfangreichere historische Ausstellung in Eisenach neu gestaltet. Abschließend warb Dr. Wolfgang Schenk, ev. Pfarrer i. R., promovierter Kirchenhistoriker und bis zur Pensionierung wissenschaftlicher Leiter des Lutherhauses Eisenach, Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion Eisenach, mit dem Hinweis auf die Fülle der touristischen Attraktionen Eisenachs um ein Wiederkommen und längeres Bleiben als nur wenige Stunden in Luthers „liebster Stadt“. Im Bemühen, Geschichte lebendig zu gestalten, wies er auf das große Bildungsstreben mancher Arbeiter damals hin. Sie waren überzeugt, durch Bildung sich aus ihrer sozialen Not leichter befreien zu können. Deshalb lernten sie oft zusätzlich in Arbeiterbildungsvereinen, abends nach einem Zehn-Stunden-Arbeitstag. Ihr Leitspruch war: „Wissen ist Macht.“ In dieser Lebenseinstellung waren sie Lichtjahre entfernt von wirklich nur einzelnen träge-faulen Schülern heute, die meinen, „Wissen ist Macht, aber nichts wissen, macht auch nichts“.
Gründungskongress der SDAP 1869 im „Goldenen Löwen“
Der „Goldene Löwe“ ist eine der wichtigsten Gedenkstätten der deutschen Sozialdemokratie. Hier wurde am 7. August 1869 unter Führung von Wilhelm Liebknecht und August Bebel der Gründungskongress der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) eröffnet. Die eigentliche Gründung fand einen Tag später, am 8. August 1869, im Hotel „Zum Mohren“ statt. Dieses Gebäude wurde im Jahr 1901 abgerissen. Der „Goldene Löwe“ aber hat die Zeit überdauert und wurde zum Symbol für die Gründung der SDAP.
Nach der Vereinnahmung durch die SED während der DDR-Zeit erfolgte nach Wiedergründung der Sozialdemokratischen Partei in Eisenach im Herbst 1989 auch die Rückbesinnung auf die sozialdemokratische Tradition. Im April 1991 wurde die August-Bebel-Gesellschaft gegründet, die im Herbst 1991 die Trägerschaft über den „Goldenen Löwen“ übernahm. Anliegen der August-Bebel-Gesellschaft ist es, die Tradition der Gedenkstätte zu wahren, sie einer breiten Öffentlichkeit zu erschließen, mit Veranstaltungen, Seminaren und Buchlesungen einen Beitrag zur politischen Bildung zu leisten.
Kontaktdaten
Die Gedenkstätte „Goldener Löwe“ in 99817 Eisenach, Marienstraße 57, ist zu erreichen unter Tel. 03691/882723, Fax 03691/75434, e-mail info@august-bebel-gesellschaft.de . Der „Goldene Löwe“ mit seinen verschiedenen Ausstellungen kann montags bis freitags von 10.00 bis 16.00 Uhr besichtigt werden. Für Gruppen können andere Termine vereinbart werden.
Th. Levknecht/ Dr. W. Schenk