CDU-OB-Bewerber Walk verkennt die Sachlage
Eisenach hat ein strukturelles Problem. Das sagt auch die Thüringer Landesregierung. Doch sie handelt nicht, drückt sich vor einer dringend notwendige Gebiets- und Verwaltungsreform. Die Stadt spart schon allen Ecken und Enden, belastet ihre Bürger durch Erhöhungen von Steuern, Anheben von Gebühren. Alle schnallen den Gürteln schon bis zum letzten Loch. Die Stellen des/der Leiter/in des Thüringer Museums und der Volkshochschule werden nicht neu besetzt.
Seit Jahren, egal wie die Oberbürgermeister hießen, ob Schneider (CDU) oder Doht (SPD), ständig galt es Haushaltskonsolidierungsprogramme mit harten Einschnitten zu erarbeiten und umzusetzen. Das bereitet keinem der ehrenamtlich fungierenden Stadtratsmitglieder Freude. Im Gegenteil! Unpopuläre, aber nicht zu umgehende Entscheidungen im Interesse des Ganzen mitzutragen, ist nicht jedermanns Sache. Das zeigten in der vorhergehenden Legislaturperiode des Stadtrates die Fraktionen von „ Die Linke“ und „Bündnis 90/Die Grünen“. Oberbürgermeister Matthias Doht musste sich neue Partner suchen, um die Stadt in stürmischen Zeiten auf Kurs zu halten. Die FDP drückte sich alsbald um die Verantwortung, verabschiedete sich (nach wenig fruchtbringender Mitarbeit) aus der Koalition, „glänzt“ jetzt mit Anfragen. Aus der Opposition „schießen“ ist natürlich einfacher als Verantwortung zu tragen. SPD, CDU und BfE stellt sich dieser.
Im Thüringer Kabinett ist zu Wochenbeginn eine Vorlage zur Finanzierung des Eisenacher Theaters gescheitert. Am Veto vom CDU-Finanzminister und auch die Ministerpräsidentin muss wohl, entgegen ihren Bekundungen vor Ort in Eisenach, nicht besonders pro Theater Eisenach argumentiert haben. Die Zukunft des Theater Eisenach steht (leider mal wieder) auf der Kippe.
Die Zukunft des Eisenacher Theaters als produzierender Standort sollte mit der Zuführung zur Kulturstiftung Meiningen – Eisenach gesichert werden. Das Eisenacher Theater hatte ganz schmerzvolle Einschnitte zu verkraften. Die Landeskapelle musste auf 25 Musiker schrumpfen. Und dennoch, Dank des Könnens und Engagements der Eisenacher Künstler und aller Mitarbeiter wurde überaus Beachtliches auf die Bühne gebracht, was auch in steigenden Besucherzahlen seinen Ausdruck findet. Das Ballett mit 16 Tänzern ist der Stolz des Hauses. Über einhundert Vorstellungen pro Jahr können sich wahrlich sehen lassen. Die verbliebenen sieben Schauspieler leisten vorbildliche Basisarbeit im Kinder- und Jugend bereich. Da ist nichts mehr einzusparen!!
CDU-Oberbürgermeisterbewerber Raymond Walk scheint die Sachlage allerdings zu verkennen. Die Stadt Eisenach hat keinesfalls „zugewartet“, entsprechend der Rechtsform des Eisenacher Theaters das Thema an den entsprechenden Stellen stetig auf die Tagesordnung gebracht. Dass Eisenach aus eigener Kraft – wegen des strukturellen Problems es nicht selbst schultern kann – ist stets aufs Neue betont worden. Was bringt aber die von der Landesregierung eingesetzte Arbeitsgruppe Eisenach eigentlich aufs Trapez? Und wie ist es mit der Aussage von der CDU- Ministerpräsidentin, die die Thüringer Kulturlandschaft als erhaltenswürdig eingestuft hat? Gehört das Theater Eisenach, mit seinen engagierten Künstlern und Mitarbeitern, mit seiner langen und erfolgreichen Tradition nicht dazu? Die Thüringer CDU-Minister-Riege gibt sich bei Eisenachs CDU-OB-Kandidaten Raymond Walk die Klinke in die Hand. Vielleicht können diese auch in Erfurt mal hilfreich für das Eisenacher Theater agieren…!
Thomas Levknecht, stellv. Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat Eisenach