Ein Psychologe für 17 000 Schüler

Veröffentlicht am 12.12.2006 in Bildung & Kultur

SPD und PDS fordern mehr Schulpsychologen ? Kultusministerium verweist auf Beratungslehrer

Nach Emsdetten ist das Thema in aller Munde: Wie sieht es mit der psychologischen Hilfe und Prävention an den Schulen aus? Nach Gutenberg hatte der Freistaat die Zahl der Schulpsychologen verdoppelt. Aber nur für eineinhalb Jahre. Jetzt sei Thüringen wieder Schlusslicht in Deutschland und Europa, klagt die Opposition.

ERFURT/SCHMALKALDEN/EISENACH ? Unter dem Link ?Schulpsychologischer Dienst? auf den Seiten der Schulämter sind sie schnell zu finden: Schulpsychologen.

Dazu wird eine Vorstellung mitgeliefert, was sich im Schulalltag dahinter versteckt. Im Schulamt Eisenach etwa fallen Beratungsangebote für ?alle an Schulen anfallenden pädagogisch-psychologischen Fragestellungen? in den Zuständigkeitsbereich des ?Schulpsychologischen Dienstes?, den der Diplompsychologe Ingo Wagenbreth und zwei Beratungslehrerinnen bilden. Dazu steht er laut Internet für weitere Sonderberatungsfälle zur Verfügung, etwa in Sachen Begabtenförderung, Suchtprävention, Gewaltprävention und Krisenprävention.

Nicht weniger vielfältig präsentiert sich das Aufgabenspektrum des Schulpsychologischen Dienstes im Schulamt Schmalkalden. Auf ?beratende, diagnostische und präventive? Aufgaben wird auf der Internetseite hingewiesen, so wie es im der Verwaltungsvorschrift des Kultusministeriums festgelegt sei. Im Faustlos-Projekt hat Diplom-Psychologin Barbara Stoll ?Verfahrensstrategien zum Umgang mit Ärger und Wut? erarbeitet und ins Internet gestellt. Dazu gibt es Hilfen für Schüler, die durch Misserfolge das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit verloren haben, und ?Elterntipps zum Thema Hausaufgaben?.

Stoll hält Kontakte zu den Beratungslehrern an den Schulen und ist Ansprechperson für Eltern, Schüler und Lehrer gleichermaßen. Es kommen Lehrer, die Probleme mit einzelnen Schülern haben, es kommen Eltern, die sich über die geeignete Schullaufbahn ihres Sprösslings Gedanken machen, aber es kommen auch Schüler, die selbst Hilfe suchen, berichtet Stoll. Und natürlich hatte sie auch schon mit Schülern zu tun, die mit Drohungen Signale geben, aber glücklicherweise noch nicht mit extremen Fällen.

So weit, aber nicht so gut: Der Freistaat hat eindeutig zu wenig Schulpsychologen, kritisieren im Landtag mal PDS, mal SPD. Denn zu dem Aufgabenpotpourri gehören in der Regel nur ein ausgebildeter Schulpsychologe und zwei halbe Beratungslehrer pro Schulamt. Insgesamt sind laut Kultusministerium derzeit 16 Psychologen an den 13 Thüringer Schulämtern beschäftigt. Aber damit kommt, so hat SPD-Bildungsexperte Hans-Jürgen Döring ausgerechnet, gerade mal ein Schulpsychologe auf 60 Schulen, beziehungsweise auf 17 000 Schüler. Womit Thüringen den ?im internationalen Vergleich ohnehin höchst problematischen Bundesdurchschnitt von 1:12 000 noch weit unterbietet?. Im Landtag, sieht ein SPD-Antrag vor, soll Kultusminister Jens Goebel daher Auskunft geben, wie er die Schulpsychologie weiterentwickeln will.

Aber von neuen Schulpsychologen wird Goebel kaum reden. Im Freistaat verfolge man ein anderes Prinzip, erläutert der stellvertretende Pressesprecher,Viktor Liebrenz. Das setze vor allem auf Beratungslehrer an jeder Schule, die sich auch um psychologische Probleme kümmern. Man müsse nicht überall einen Psychologen sitzen haben. Deshalb wird Goebel am Donnerstag wohl anders rechnen als Döring. Weil neben den Psychologen in jedem Schulamt auch zwei Beratungslehrer mit einer halben Stelle arbeiten, sei der Personalschlüssel wesentlich günstiger, als es SPD und PDS ausgerechnet haben, argumentiert seine Pressestelle. Mit Beratungslehrern komme man auf 29 Vollzeitbeschäftigte in den psychologischen Diensten der Schulämter, rechnet Liebrenz vor. Und damit kämen auf einen Mitarbeiter nur 32 Schulen und rund 8500 Schüler.

Aber auch bei PDS-Bildungsexpertin Michaele Reimann stößt das Kultusministerium damit auf Protest. Für sie rangiert Thüringen bei den Schulpsychologen deutschlandweit am Ende. Das Land muss mehr Schulpsychologen einstellen, fordert sie. Wenn man von eigenverantwortlicher Schule rede, brauche man Unterstützungssysteme. Reimann fasst darunter auch ?Profis, die das gelernt haben?. In Sachen Schulpsychologischer Dienst eben Psychologen und nicht nur weitergebildete Beratungslehrer.

Zudem macht sich Reimann um die Schulsozialarbeit Sorgen. Wenn hier mit dem Jahr 2006 auch noch die Fördermittel der EU auslaufen, bleibe nicht viel übrig von den ursprünglich 50 hauptamtlichen Schulsozialarbeitern, befürchtet sie. Schon im Jahr 2006 seien nur noch rund 20 Stellen verblieben. Das Land müsse die Kofinanzierung für 2007 sicherstellen, fordert sie in einem Antrag für das Landtagsplenum am Donnerstag. Perspektivisch müsste zumindest an allen Berufsschulen, Regelschulen und Gymnasien Schulsozialarbeit stattfinden.

Vieles sei hier bereits weggebrochen, klagt auch Döring. Das Land sei in der Pflicht. Er fordert ?ein Gesamtkonzep?, das Schulsozialarbeit und Schulpsychologen umfasst. Damit man ?von der Feuerwehrarbeit wegkommt, hin zu einer kontinuierlichen Betreuung?, so Döring. Und dafür brauche man auch mehr Schulpsychologen. Denn die vorhandenen fühlten sich mit den vielen Aufgaben ständig überfordert, argumentiert Döring. Beratungslehrer seien zwar wichtig, aber zusätzlich zu den Schulpsychologen.

Quelle: STZ; 12.12.2006; Georg Grünewald

 
 

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