Zu einer Diskussionsrunde zum Thema „Die ‚verschwundene‘ Wirtschaftskrise – droht nun die Inflation?“ hatten am Montagabend der SPD Kreisverband und der Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb ins Stadtmuseum eingeladen.
In dem wieder einmal gut gefüllten Raum wurde intensiv über die in Gera scheinbar kaum spürbaren Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise debattiert und ein Blick auf zukünftige Entwicklungen geworfen. Der Berliner Finanzwissenschaftler Dr. Ulrich Busch erklärte, dass es seit 2008 eine Reihe von Krisen und Folgekrisen gab und die Auswirkungen in einzelnen Ländern sehr unterschiedlich waren. Während einige Länder sich noch im Tal der Tränen befänden, sei Deutschland auch auf Grund politischer Entscheidungen auf gutem Wege. Wie stabil der sich derzeit andeutende Aufschwung sei, werde man jedoch erst im nächsten Sommer genau beurteilen können. In Gera seien die Auswirkungen nur geringfügig angekommen, da regional kaum auf Exportwirtschaft gesetzt werde und weder eine Bank noch eine Versicherung hier ihren Sitz haben.
Dr. Busch erläuterte, er sehe in den Krisen der letzten Jahre vor allem eine ökonomische Krise, die sich einerseits mit dem normalen Konjunkturverlauf erkläre, andererseits eine Erscheinung des Finanzkapitalismus sei. Aus seiner Sicht könne man nicht einzelnen Banker oder Verantwortungsträgern einen Vorwurf machen, sondern müsse die Systemlogik hinter den Vorgängen beachten. An Hand einer Grafik erläuterte der Wissenschaftler, dass es seit 1950 in regelmäßigen Abständen ca. alle acht Jahre konjunkturell bedingte Wachstumseinbrüche gegeben habe. Dabei sei aus seiner Sicht beachtlich, dass der Dax bis zu den 80er Jahren im Zeitalter des Fordismus immer um die 500 Punkte zählte. Erst mit der Entwicklung des heutigen Finanzmarktkapitalismus sei es zu großen Spekulationsblasen gekommen, welche um das Jahr 2000 und 2008 geplatzt seien.
Der Finanzwissenschaftler erklärte unter anderem auch den Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation. Die Angst vor einer Hyperinflation werde derzeit geschürt, obwohl es keinen Zusammenhang zwischen Staatsverschuldung und Inflation gäbe. Zudem sei es derzeit sogar wünschenswert eine geringfügige Inflation als Rettung vor Deflation und Rezession zu haben. „Wenn die Preise eher die Tendenz haben zu sinken, kaufen die Menschen weniger. Sie rechnen dann damit, dass ihre geplante Anschaffung im nächsten Monat noch günstiger ist.
Daher wäre es für den aktuellen Aufschwung besser, wenn die Preise geringfügig steigen würden.“, so Dr. Busch. In der Diskussion mit dem Publikum äußerte sich der Wissenschaftler auch zur aktuellen Politik der Bundesregierung. Die aktuelle Sparwut hält der Wissenschaftler der TU Berlin für kontraproduktiv. „Solang das Wirtschaftswachstum – das Bruttoinlandsprodukt – in einem vernünftigen Verhältnis zu den Schulden steht, ist das nicht problematisch. Schlecht wäre es mit übertriebenen Sparmaßnahmen das Wachstum zu bremsen und dieses Verhältnis aus dem Gleichgewicht zu bringen.“