Wolfgang Lemb mit seinen Gästen (Foto: OTZ) Über die Ankündigung von Geras neuer Oberbürgermeisterin Viola Hahn, am Sonnabend die Aktionen gegen das Neonazi-Hasskonzert zu begleiten, dürften die Veranstalter wohl selbst am meisten überrascht sein.
Gera. Denn bis dato hatten sie nichts von Viola Hahn (parteilos) gehört, und forderten noch am Montagabend während einer SPD-Veranstaltung im Stadtmuseum ein Bekenntnis von der Rathauschefin und deren Teilnahme am Sonnabend.
"Gegenwehr mit bürgerschaftlichem Engagement" lautete das Thema, über das der Landtagsabgeordnete Wolfgang Lemb (SPD) mit Michael Kleim, Christa Hausigk, Andreas Lauterbach und Harald Zeil diskutierte. Doch schnell zeigte Michael Kleim, Sprecher des Runden Tischs gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit, die Grenzen dieses bürgerschaftlichen Engagements. Als "ein Problem, das sich hoffentlich bessert" bezeichnete er die Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt. Was in den Vorjahren als "eher praktikabel" zu beschreiben sei, sei nun weit dahinter zurückgeblieben, so Kleim. Zu spät und aus der Zeitung hatten die demokratischen Kräfte erfahren, dass die Nazis am Bahnhof feiern dürfen.
Das erschwert die Organisation der Gegenaktionen und das Mobilisieren von Menschen kritisierte auch Andreas Lauterbach vom Stadtsportbund (SSB) - mit 15 000 Mitgliedern Geras größtem Verein. In den Vorjahren hatte sich der Sport mit Ständen präsentiert. Jetzt muss ein Aufruf reichen, der in der Vorwoche an alle Vereine, Vorstände und Mitglieder herausgegangen ist und sie auffordert, "sich in die Protestaktionen zu integrieren".
Das Verhalten des Ordnungsamts sorgte auch bei Harald Zeil vom Aktionsnetzwerk Jena für Stirnrunzeln. Er forderte die Geraer auf, Druck auf ihre Stadträte auszuüben, um von dort Informationen zu bekommen. Zeil warnte zudem davor, die Proteste in gut und schlecht zu unterteilen und riet dazu, sich zu wehren, wenn antifaschistische Proteste als extremistisch verurteilt werden sollen. "Die Nazis sind das Problem."
Für Pfarrer Michael Kleim nicht nur sie: problematisch findet er auch die Gleichgültigkeit der Geraer. "Aber wir können uns keine andere Stadt wünschen. Wir können uns nicht vergleichen mit Jena, Erfurt oder Dresden", nannte Kleim Beispiele, wo die Zivilgesellschaft Neonazis die Stirn geboten hat. Im Publikum stimmte das so manchen pessimistisch. Den Tränen nahe, schilderte eine junge Frau, ihr fehle die Kraft, sich weiter zu engagieren.
"Doch, es hat sich etwas verändert in den letzten Jahren", hielt Christa Hausigk vom Aktionsbündnis Gera entgegen. Sie hat Hoffnung - und will sie weiterreichen.
Quelle: Katja Schmidtke / 04.07.12 / OTZ