Steffen Lemme, DGB und Christoph Matschie auf der A4 Höhe der Landesgrenze kurz vor Eisenach Ist Thüringen eine Sonderwirtschaftszone? Schaut man auf die nackten Zahlen, so liegt diese Vermutung nicht wirklich fern! Bundesweit werden in Thüringen die niedrigsten Löhne gezahlt. Durchschnittlich verdient ein Arbeitnehmer hier nur 14,91 Euro in der Stunde. Der durchschnittliche Bruttostundenlohn liegt damit 1,12 Euro unter dem Durchschnitt Ostdeutschlands und 5,11 Euro unterhalb des bundesweiten Wertes. In Thüringen werden pro Stunde durchschnittlich 6,07 Euro weniger als in den alten Bundesländern gezahlt. Damit entspricht das Lohnniveau in Thüringen 71 Prozent des Westniveaus.
Schaut man auf die Arbeitszeiten so ist die Situation hierzulande nicht minder dramatisch. Mit 1.442 Arbeitsstunden arbeiten die ArbeitnehmerInnen in Thüringen und Sachsen-Anhalt im bundesweiten Vergleich am Längsten. Es wird pro Jahr 22 Stunden länger als in Gesamt-Ostdeutschland gearbeitet. Die Thüringer ArbeitnehmerInnen arbeiten sogar durchschnittlich 100 Stunden länger als in Westdeutschland. Gegenüber Rheinland-Pfalz beträgt der Abstand sogar 132 Stunden.
Bundesweit die niedrigsten Löhne und das bei zweieinhalb Wochen Mehrarbeit im Jahr – das ist Thüringens bittere Bilanz und deshalb meinen wir: Thüringen hat den zweifelhaften Ruf als „Niedriglohn-Land“ verdient.
Was kann man tun?
In erster Linie schützen Tarifverträge vor Ausbeutung durch Lohndumping. In Branchen und Regionen in denen die Arbeitgeber durch Flucht aus der Tarifbindung dieses System unterlaufen, sind auch den Gewerkschaften nahezu die Hände gebunden. Aus diesem Grund fordern wir die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. Damit soll eine unterste Lohngrenze per Gesetz eingezogen werden, die vor Ausbeutung schützt.
Auch die Thüringer Landesregierung könnte etwas tun - zum Beispiel durch die Einführung eines Tariftreue- und Vergabegesetzes. Mit einem solchen Gesetz könnte geregelt werden, dass nur diejenigen Unternehmen öffentliche Aufträge erhalten, die ihre Mitarbeiter fair nach geltenden Tarifverträgen entlohnen. Damit könnte der Schmutzkonkurrenz deutlich Einhalt geboten werden. Bislang wurden alle Gesetzesinitiativen der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag durch die CDU-Mehrheit niedergestimmt.
• Mehr zum Niedriglohn-Land Thüringen auf den Seiten des DGB Thüringen