Das neue integrierte Stadtentwicklungskonzept für Gera soll den Zeitraum bis 2025 erfassen. Im Frühjahr 2013 werde es nach Auffassung von Geras Baudezernent Ramon Miller (SPD) beschlussreif sein.
Gera. Zuvor soll eine breite Bürgerbeteiligung greifen. Darin waren sich die Veranstalter der ersten öffentlichen Diskussionsrunde am Donnerstagabend einig. Eingeladen hatten der SPD-Kreisverband Gera, der Geraer Stadtverband der Linken und der Kreisverband Gera von Bündnis 90/Die Grünen.
Zum Auftakt blieben die nahezu 30 Parteimitglieder aber weitgehend unter sich, um sich zunächst theoretisch der Aufgabenstellung zu nähern.
Das neue Konzept soll unter anderem an das Leitbild von 1997 und die 2007 beschlossenen Leitlinien zur Stadtentwicklung anschließen. Letztlich soll es auf fast alle Fragen, die das Leben in Gera stellt, Antworten finden und dabei die städtische Sozialplanung integrieren.
"Gera ist eine bequeme Stadt". Die Einschätzung trifft Manfred Kaniß vom städtischen Fachdienst Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung. Das bezieht er auch auf ihre zentrale Lage in Europa und in Deutschland. Dass Gera auf dem halben Weg zwischen Berlin und München liegt sei eine gängige Beschreibung.
Trotzdem Gera in den letzten 20 Jahren ein Viertel der Einwohner verlor, blieb die Infrastrukturlandschaft erhalten. "Der Status von 1990 wird weitgehend gepflegt", so Kaniß. Ob das so bleiben kann, auch das muss die Diskussion am Stadtentwicklungskonzept zeigen.
Bernd Leithold (Linke), der Vorsitzende des Stadtratsausschusses für Bau, Verkehr, Umwelt, hofft auf dieses Instrument. "Wir wollen Gera als liebens- und lebenswerte Stadt erhalten", sagt er. Ohne Frage schließt er die Ortsteile mit ein. "Wir müssen ehrlicherweise zur Kenntnis nehmen, dass sich die Ortsteile unterschiedlich entwickelt haben", gesteht er kritisch ein und pocht auf die Einbeziehung der Geraer. Öffentliche Foren einmal im Vierteljahr wünscht er sich.
Einen Fahrplan beschrieb der Baudezernent. Auf die Erfassung des Planungsstandes, zu dem jetzt auch der genehmigte Flächennutzungsplan gehört, muss die poltische Leitbilddiskussion folgen in den Parteien, im Stadtrat, in den Beiräten. Zu klären sei dabei auch: Was macht wer? Integriertes Stadtentwicklungskonzept könne nicht heißen, dass die Stadt ein großes Investitionsprogramm folgen lasse. "Das Bild wird sehr viel bunter", denkt Miller. Praktisch näherte sich der Geraer Architekt Siegfried von Hopffgarten: "Die Lenkung und Wandlung von motorisierten Verkehrsströmen hat Priorität." Sagt, dass sich ökologisches Verhalten nicht mit Verbieten, sondern mit Verlocken beeinflussen lasse. Er schlägt solare Elektromobilität vor und wendet sich gegen Tabus für Parkplätze. "Wenn wir Kraftfahrer auf schöne Plätze locken, werden sie zum Flaneur", meint er. Kritisch sieht er die Radwegkultur. Sie sei unterirdisch schlecht, "tiefer als die tiefsten Höhler". Er warb für bessere Diskussionskultur zur Stadtentwicklung und sorgte sich, dass Ideen von "Ja für Gera" verplätschern, weil die Zusammenarbeit mit der Stadt fehle.
Quelle: Sylvia Eigenrauch / 09.07.11 / OTZ