Studie belegt: Junge Generation besonders von prekärer Beschäftigung betroffen
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Thüringer Landtag, Wolfgang Lemb, warnt davor, dass der wirtschaftliche Aufschwung an der Jungen Generation vorbeizugehen droht. Trotz Überwindung der Krise prägen prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit, befristete Jobs und Praktika mehr denn je die Lebens- und Arbeitssituationen von jungen Arbeitnehmern.
Dies belegt die aktuelle, repräsentative Studie mit dem Titel „Persönliche Lage und Zukunftserwartungen der jungen Generation“, die TNS Infratest Politikforschung im Auftrag der IG Metall durchgeführt hat. „Die junge Generation bleibt trotz Aufschwung ausgebremst. Das dürfen wir nicht hinnehmen“, sagte Lemb am Mittwoch in Erfurt.
Laut genannter Studie arbeiten mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen unter 25 Jahren (54 Prozent) in prekären Arbeitsverhältnissen. Damit werden die Zahlen des Krisenjahres 2009 noch einmal um neun Prozentpunkte übertroffen. Bei den Erwerbstätigen unter 35 Jahren sind 30 Prozent befristet beschäftigt. „Prekäre Arbeitsverhältnisse sind leider kein vorübergehendes Phänomen zu Beginn des Berufslebens, sondern langfristige Realität für viele. Das beeinträchtigt sowohl die Familienplanung als auch die Möglichkeit dauerhaft seinen Lebensmittelpunkt zu planen“, sagte Lemb.
Die Prekarisierung zeigt sich insbesondere im hohen Anteil befristeter Stellen und Teilzeitarbeit. Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der befragten jungen Erwerbstätigen gab an, bisher ausschließlich befristet beschäftigt gewesen zu sein. Ein Fünftel der Beschäftigten unter 35 Jahren arbeitet Teilzeit. Fast alle unfreiwillig: neun von zehn würden lieber Vollzeit arbeiten. Auch der häufig dargestellte „Klebeeffekt“, wonach Leiharbeit zur Übernahme durch das Entleihunternehmen führe, bleibt die Ausnahme und hat sich im Vergleich zum Vorjahr noch mal um zwei Prozentpunkte auf sieben Prozent verringert. „Der Berufseinstieg wird damit zunehmend schwieriger für die junge Generation – trotz Aufschwung“, kritisierte Lemb.
Gerade für Thüringen sei es wichtig, die „Deformationen auf dem Arbeitsmarkt“ zu beseitigen, betonte der Abgeordnete. So hat sich in Thüringen binnen eines Jahres die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gerade mal um 1.457 Personen erhöht, während die Zahl der Leiharbeiter um 8.500 Personen, und damit um mehr als 40 Prozent, gestiegen ist. „Mehr als die Hälfte dieser Beschäftigten sind noch keine 30 Jahre alt“, mahnte der Wirtschaftspolitiker mit Blick auf die nach wie vor hohe Abwanderungsquote Thüringens.
Die für morgen einberufene „Konzertierte Aktion Thüringen 2010“ müsse deshalb weitere Schritte zu mehr Ordnung auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen - insbesondere im Bereich der Leiharbeit - verabreden,“ so Lemb abschließend.