Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Frank Weber, hielt am 17. März auf dem Hauptfriedhof in Weimar die Gedenkansprache zu Ehren der Märzgefallenen. Veranstalter des Gedenkens war wie in jedem Jahr der DGB-Kreisverband Weimar/Weimarer Land.
Bei den Weimarer Märzgefallenen handelt es sich um neun Arbeiter, die die Niederwerfung des rechtsradikalen Kapp-Putsches vor 93 Jahren mit ihrem Leben bezahlten. Sie wurden während eines Generalstreiks auf einer Kundgebung im Weimarer Volkshaus am 15. März 1920 von putschenden Soldaten der Reichswehr ermordet.
Weber würdigte in seiner Ansprache die neun Ermordeten, darunter eine Frau, als "mutige Menschen, die Gesicht gezeigt haben gegen braunen Ungeist und für den Erhalt der jungen Weimarer Demokratie." Sie stünden mit ihrem Einsatz in der Reihe vieler, die in den zwanziger Jahren Widerstand gegen der erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland geleistet hätten. Mutige Frauen und Männer hätten bis zuletzt versucht, sich der Beseitigung von Demokratie und Rechtsstaat entgegenzustellen. Er denke hier insbesondere auch an die beeindruckende Rede des SPD-Reichstagsabgeordneten Otto Wels vor 80 Jahren in der Berliner Kroll-Oper gegen das Ermächtigungsgesetz. Weber: "Otto Wels hielt seine beherzte Rede trotz der bereits einsetzenden Verfolgung und der Anwesenheit von SA-Männern im Saal. Sein Ausruf 'Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht' war und bleibt für Demokraten Programm!"
Damals stimmten alle 94 anwesenden SPD-Abgeordneten gegen das Gesetz. Die restlichen Mitglieder des Reichstags - mit Ausnahme der von der SA verhafteten KPD-Parlamentarier - votierten für das Ermächtigungsgesetz, mit der die Grundregeln eines freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaats außer Kraft gesetzt wurden.