Leserbrief von SPD Stadtrat Dr. Dietmar Stadermann zur Denkmalsdiskussion. Veröffentlicht am 11.03.08 in der OTZ. Hier der genaue Wortlaut.
Durch die Beschlussvorlage „Konzept zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit in Jena“ von Bündnis 90 Die Grünen und SPD und durch die Ausstellung des Denkmalmodells von Karl-Heinz Johannsmeier in der Rathausdiele ist die Diskussion vor allem zu Letzterem wieder in Gang gekommen und wird nun – hoffentlich – zu einem von der Mehrheit der Jenaer Bevölkerung akzeptierten Ergebnis führen.
Herr Prof. Dr. Biewald wirft den Initiatoren der Beschlussvorlage vor, sie wollten damit die Aufstellung des Denkmals von Herrn Johannsmeier verhindern und zitiert aus Goethes „Tasso“: „...man fühlet Absicht und man ist verstimmt“. Verstimmt könnten allerdings auch diejenigen sein, die die jetzige Form des Denkmals nicht akzeptieren können. Das Zitat passt also in gleicher Weise auch auf seine Vorstellung, es ohne weitere Diskussionen zu bauen und damit vollendete Tatsachen zu schaffen.
Daß der jetzige Entwurf auf nur geringe Zustimmung stößt, zeigen die meisten der Wortmeldungen. Als ich die Größenverhältnisse von Stelen und Mensch gesehen habe, wurde ich an die Überschrift einer Schautafel in einem Jenaer Steinmetzbetrieb erinnert: „Vom Denkmal zum Sieh’ mal!“ Die Größe , die Überdimensioniertheit der Stelen kann m.E. die Zielstellung, eine Stelle des Gedenkens, des Nachdenkens, der Erinnerung zu schaffen, freilich auch konterkarieren. Sie wird damit eher zur Selbstdarstellung. Ich habe mich gefragt, wie ich bei entsprechender finanzieller Ausstattung handeln würde, wenn ich meiner Heimatstadt etwas Gutes tun möchte. Bei der Antwort war die Verknüpfung zwischen Spende und (eigenem) Denkmal nicht dabei. Freilich bin ich auch kein Künstler!
Einen Vorschlag hätte ich: die quadratische Stele im Johannsmeier-Entwurf erinnerte mich an einen Wachturm an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Kann sie nicht in „vernünftiger“ Größe ein Gegenstand der Erinnerung an die Diktatur zwischen 1949 und 1989 sein und gleichzeitig ein Symbol der Wachsamkeit, sich allen antidemokratischen Tendenzen von Anfang an zu widersetzen?