Regine Kanis und mehr als 80 interessierte Bürger hören Gunter Demnig zu.
Vier handgefertigte "Stoplersteine" wurden am 5. August am Großen Brühl in Eisenberg verlegt. Mehr als 80 Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Verlegung und der vorherigen Gedenkveranstaltung teil. Erinnert wird mit den Stolpersteinen an das Schicksal der jüdischen Familie May, die 1942, gemeinsam mit 1000 weiteren jüdischen Menschen aus Thüringen, deportiert und in den Vernichtungslagern getötet wurden.
Wie die derzeit mehr als 47 000 Stolpersteine in 18 europäischen Ländern, so sind auch die für Familie May vor deren letztem selbst gewählten Wohnsitz in den Bürgersteig eingelassen worden.
Eisenberg ist die 969. Kommune, in der mittlerweile Stolpersteine verlegt worden sind. Realisiert worden seien die kleinen Denk- und Mahnmäler in der Stadt vor allem aufgrund des Engagements von Stadtrat Michael Schewe (SPD). Er habe zur Thematik recherchiert und sogar Kontakte bis nach Israel geknüpft. Unterstützt wird die Verlegung der Stolpersteine durch Spenden oder Patenschaften. Ihre Urkunde zur Übernahme einer Patenschaft konnten gestern aus den Händen von Bürgermeister Ingo Lippert (SPD) entgegennehmen: Matthias Sack von der Elisabeth-Apotheke, Pastorin Kerstin Gommel von der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde, Pfarrer Andreas Tober von der katholischen Kirchgemeinde, Michael Frankenstein vom Wendepunkt e.V. sowie Stadtelternsprecherin Anja Polten.
Anja Polten war es auch, die eine Rede in Erinnerung an die jüdische Familie May hielt. "Wir alle sollten in unserer Gesellschaft für Zivilcourage, Toleranz, Religionsfreiheit und Menschlichkeit eintreten, damit solche unfassbaren Verbrechen nicht noch einmal geschehen", sagte sie und ergänzte: "Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir widerstandslos hinnehmen." Während ihre Worte auf die anwesenden Bürger wirkten, ließ Künstler Gunter Demnig die vier Steine in den Bürgersteig ein. Der gebürtige Berliner hatte 1993 die zunächst rein konzeptionelle Idee für ein Kunstwerk, Stolpersteine in Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in die Erde zu bringen. Seit dem Jahr 2000 jedoch ist daraus Realität geworden - gestern zum ersten Mal auch in Eisenberg.
"Der Mensch neigt dazu, schnell zu vergessen. Die Stolpersteine in Eisenberg und vielen anderen Städten erinnern uns an unsere Geschichte und die Verantwortung, die auch heute noch daraus erwächst", betont Regine Kanis, die die weitere Verlegung von Stolpersteinen in der Kreisstadt unterstützt.