Rieth. In die Bäderdebatte mischt sich nun auch der Erfurter Norden massiv ein. In einer Stadtratsanfrage erinnern die Ortsteilbürgermeister aus dem Rieth, vom Moskauer Platz, vom Berliner Platz und vom Roten Berg an den mit dem Bäderkonzept bekräftigten Beschluss, dass eine dritte Schwimmhalle wenn, dann nur im Erfurter Norden errichtet werden soll.
„In unseren Stadtteilen leben 25 000 Erfurter, die umliegenden Ortsteile nicht mitgerechnet“, sagt Wolfgang Geist, Ortsteilbürgermeister vom Berliner Platz. „Es muss im Norden etwas geschehen.“
Anlass der Anfrage sind Äußerungen von Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) sowie der Chefin der Stadtwerke Bäder GmbH, Kathrin Weiß. In einem Gespräch mit unserer Zeitung deuteten sie an, dass dem Dreienbrunnenbad und dem Freibad inMöbisburg nach 2017 die Schließung bevorstehen könnte. Zugleich verkündete Bausewein Pläne, die Roland-Matthes-Schwimmhalle um ei-nen Anbau mit 25-Meter-Becken zu erweitern.
„Wir haben in der Stadt zu viele Freibäder, und es fehlt ein Hallenbad“, sagte Bausewein im März. Dass ein Hallenbad fehlt, finden auch die vier Ortsteilbürgermeister. Doch fehlt es aus ihrer Sicht im Erfurter Norden. In einem Anbau an die Matthes-Schwimmhalle siehtTorsten Frenzel, der Vize-Bürgermeister vom Moskauer Platz, gar eine „Priorisierung von Erfurt-Süd“. Der Norden würde abgekoppelt. „Zur Südschwimmhalle brauchen wir eine halbe Stunde mit dem Auto, mit der Straßenbahn noch mehr“, sagt Frenzel.
Standort im Rieth wird favorisiert
Im Rieth stand auf dem Gelände eines heutigen Supermarktes bis vor einigen Jahren eine Schwimmhalle. Weil sie marode war, musste sie abgerissen werden. Doch ging der Abriss mit dem Versprechen einher, Ersatz zu schaffen. Das vom Stadtrat beschlossene Bäderkonzept un-terstrich dieses Versprechen.
An einem Standort mangelt es nicht. Geist und Frenzel schlagen zum Beispiel eine Brachfläche neben dem Deutschordens-Seniorenstift im Rieth vor. Laut Torsten Frenzelsieht das Bäderkonzept im Norden eine Halle mit zehn 50-Meter-Bahnen vor.
Bausewein hatte den Anbau an die Südschwimmhalle nicht nur mit dem Ersatz für die möglicherweise wegfallenden Freibäder begründet. Er führte auch die Kosteneffizienz an: Technik, Kassenbereich, Umkleiden und Sauna seien bereits vorhanden. Das extra Becken würde zudem die Halle am Johannesplatz entlasten, die wegen des Schul- und Vereinssports sehr knappe Öffnungszeiten habe.
Diese Entlastung könnte eine Halle im Norden aber viel besser leisten, meinen die Bürgermeister der Ortsteile. „Das Johannesbad ist nicht nur wegen der Öffnungszeiten, sondern auch wegen seines kleinen 25-Meter-Beckens unattraktiv“, so Frenzel.
Das finanzielle Argument Bauseweins habe zwar Gewicht. „Aber wir können nicht immer nur nach den Kosten entscheiden“, meinte Frenzel. „Wir müssen die Entwicklung der Stadt im Auge behalten.“
Wie er verwies auch Wolfgang Geist auf die vielen Kinder, die in den nördlichen Stadtteilen leben und deren Zahl sogar noch wächst. Die Vereine, Schulen und Senioren würden ebenfalls eine Schwimmhalle im Umkreis benötigen. „Straßenbahnfahren kostet schließlich auch“, sagt er.
Die Verwaltung beantwortet die Anfrage ausweichend. Sie weist auf den Haushaltsvorbehalt beim Bäderkonzept hin sowie auf die Tatsache, dass bei einem geforderten Eigenanteil von 40 Prozent Bäder derzeit kaum finanzierbar seien. Ohne auf den Anbau an die Matthes-Schwimmhalle einzugehen, kündigt die Verwaltung für Mai einen Entwurf zur Überarbeitung des Bäderkonzepts an.
Holger Wetzel / 11.04.15 / TA
Quelle: http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Vier-Stadtteile-in-Erfurt-fordern-ihre-versprochene-Schwimmhalle-1741190318