Thüringer Bildungsplan wird an den Rahmenbedingungen scheitern

Veröffentlicht am 28.09.2008 in Soziales

Peter Häusler (parteilos)

Der Trägerkreis des Volksbegehrens „für eine bessere Familienpolitik“ zeigte sich von der Rede des Thüringer Kultusministers am vergangenen Sonnabend anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Implementierung des Thüringer Bildungsplanes tief enttäuscht.

„Man tut so, als wolle man eine bildungspolitische Autobahn bauen, möchte aber nur das Geld für eine Landstraße ausgeben“, so der stellvertretende Sprecher der Initiative, Peter Häusler. Aus den Fachvorträgen des Tages sei deutlich geworden, dass der Thüringer Bildungsplan eine grundlegende Reform des Bildungswesens bedeute. Die aber sei mit der jetzigen Zahl an Fachkräften nicht zu bewältigen. Schon das vom Kultusminister in Aussicht gestellte Vorgehen zur Einführung des Bildungsplanes sei realitätsfremd. Der Minister hatte in seiner Rede erklärt, dass jede Einrichtung ein Mal von einem sogenannten Multiplikator besucht werden soll, der den dortigen Fachkräften den Bildungsplan nahebringt. Häusler: „Mit einem einzigen Besuch kann man nirgends grundlegende Änderung des Bildungsverständnisses bewirken.“ Statt eines einzigen Besuches müsse man die Fachkräfte vor Ort zunächst intensiv schulen und den Prozess anschließend über einen längeren Zeitraum fachlich begleiten. Dazu aber würden die vom Minister dafür in Aussicht gestellten 2,2 Millionen Euro nicht ausreichen. Häusler verweist Baden-Württemberg, wo für den gleichen Zweck allein im Kita-Bereich 20 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Seine Prognose: „Die 2,2 Millionen werden verpuffen, weil sich der Grundgedanke des Bildungsplanes nicht in den Köpfen der Fachkräfte verstetigt.“ Nach seiner Ansicht hätte jene Million, die ausgegeben wird um die nächste Landtagswahl von der Bundestagswahl trennen, die Chancen zur tatsächlichen Durchsetzung des Bildungsplanes deutlich erhöht.

Scharf kritisierte Häusler die Aussage des Kultusministers, wonach Thüringen laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung im frühkindlichen Bildungsbereich an der Spitze liege. „Das ist eindeutig falsch. Die Studie sagt zwar, dass in Thüringen besonders viele Kinder in die Kita gehen, sie sagt aber auch, dass sie dort von besonders wenigen Erzieherinnen betreut werden.“ Die Bertelsmann-Stiftung fordert für die unter Dreijährigen eine Gruppengröße von vier, für die über Dreijährigen von zehn Kindern je Erzieherin. Häusler: „In Thüringen sind werden in einer Gruppe durchschnittlich vierzehn Kinder von einer Erzieherin betreut. Es fehlt also nicht nur an Mitteln für eine vernünftige Einführung des Bildungsplanes, sondern auch an den Bedingungen zu seiner Umsetzung.“

Häusler betonte, dass der Trägerkreis ein neues Volksbegehren starten werde, wenn die Politik nicht in der Lage sei, den Anschluss an nationale und internationale Standards im Bildungsbereich herzustellen.

 
 

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