Heike Döbler und Regine Kanis in den Räumen des Täglich Brotinsel e.V. in Stadtroda. „Eigentlich arbeite ich dafür, dass die Insel überflüssig ist,“ bekräftigte Heike Döbler, zweite Vorsitzende des Vereins Täglich Brotinsel e.V. Seit nunmehr neun Jahren besteht die „Insel“, erst in Kahla, später in Stadtroda. In der Außenstelle Stadtroda sprachen Regine Kanis und Heike Döbler über die Arbeit des Vereins.
Zu den „Insulanern“, wie Heike Döbler die Besucher liebevoll nennt, zählen in Kahla fast zu 80% berufstätige Menschen. „Das ist dann prekäre Arbeit wie 1-€-Jobs oder geringfügige Beschäftigung,“ so die engagierte Frau. Das Einkommen reiche hinten und vorne nicht, so dass die Menschen trotz Arbeit auf die Leistungen der Insel angewiesen seien.
Was sie bedauere, sei die Einschränkungen beim Bundesfreiwilligendienst, der auch die Arbeit der Insel benachteilige. „Wir haben ältere Besucher, die wir als BuFDis beschäftigen konnten. Das hat ihnen und uns gleichermaßen geholfen.“ Der Bereich der öffentlich geförderten Arbeit dürfe auf keinen Fall abgeschafft werden. „Es wird immer Menschen geben, die aus welchen Gründen auch immer, nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt werden können,“ so Regine Kanis. „Für diese Menschen brauchen wir eine öffentliche Förderung und eine Perspektive.“
In Stadtroda verzeichne man zunehmend alleinstehende, ältere Besucher. Das sei die klassische Altersarmut, die dramatisch zunehme, so Döblers Beobachtung. Viele von Altersarmut Betroffene wüssten gar nicht, dass sie ein Anrecht auf Grundsicherung hätten. Das Problem der fehlenden Vernetzung zeige sich hier deutlich, schätzte Regine Kanis ein. „Viele wissen nichts von einander und setzen ein gesellschaftliches Engagement im Ehrenamt mit der Verantwortung der Kommunen gegenüber ihren Bürgern gleich. In diesem Bereich liegt noch viel Arbeit vor uns,“ sagte die Landtagsabgeordnete.
Die Insel helfe bereits an viele Ecken, leiste, neben Lebensmittel- und Kleiderausgabe, auch Beratung, übernehme Fahrdienste, helfe in Notlagen, wo Familie, Freunde und Nachbarn nicht einspringen könnten. „Wir kämpfen aber immer ums Überleben. Unsere Spendeneinnahmen reichen gerade so für die Miete und Nebenkosten,“ bedauerte Heike Döbler. Familienfreizeiten oder Ausflüge könne man schon lange nicht mehr anbieten. „Ich kann den meisten Insulanern kaum Geld dafür abnehmen und als Verein können wir das nicht leisten.“ Die Landtagsabgeordnete versprach, sich nach geeigneten Fördermöglichkeiten zu erkundigen und berichtete von den eigenen Ferienfreizeiten, die sie für die Kinder ihres Heimatdorfes organisierte.
Eine dauerhafte Grundförderung, die wenigstens die laufenden Kosten wie Miete, Nebenkosten und Versicherung abdeckten, würde dem Verein sehr helfen. Leider sei man bisher beim Landkreis auf taube Ohren gestoßen, bedauert die Vereinsvorsitzende und hofft auf Unterstützung durch den Kreistag und das Land.