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Drei Bürgermeister und ein Landrat beschwören die Landespolitik, ein Jubiläum nicht zu verpassen
Von OTZ-Redakteur Volkhard Paczulla Im Flugzeug hat Albrecht Schröter neulich beim Durchblättern der Prospekte eine seltsame Werbung gefunden. “Thüringen - der Wirtschaftstiger in Europa”. Das war selbst dem Jenaer Oberbürgermeister etwas zu dick aufgetragen.
Schröter würde das Land lieber damit international bekannt machen, was es wirklich ist: die Wiege des Bauhauses. In zwei Jahren ist Gelegenheit dazu, dann wird der 90. Geburtstag der ursprünglich Weimarer Architektur- und Designschule gefeiert. Und zwar weltweit. Seit aber bekannt ist, dass die Landesregierung im Jahr 2009 nicht das Bauhaus, sondern lieber ein Stadtpark-Thema zur Landesausstellung erheben will, liegen die Nerven der heimischen Kulturpolitiker wieder mal blank. So sehr, dass sich der Ausschuss für Wissenschaft, Kunst und Medien des Landtags gestern eine öffentliche Anhörung gönnte. Geladen waren die kommunalen Oberhäupter der Städte Weimar, Erfurt, Jena und des Weimarer Landes, zuzüglich Klassik Stiftung und Bauhaus-Uni. Mithin also die selbst ernannte Thüringer Impuls-Region, die schon vor zwei Jahren eine Arbeitsgruppe Bauhaus 09 ins Leben rief. Auf die damalige Anfrage an die Staatskanzlei, ob man sich das vielleicht als Landesausstellung vorstellen könne, lautete die Antwort sinngemäß: Ach wartet doch lieber zehn Jahre länger. Dann können wir 100 Jahre Bauhaus feiern.
Die Impuls-Gruppe verstand das noch nicht als Absage und fädelte so emsig Kontakte zu potenziellen Leihgebern und Sponsoren, dass es, wie Klassik-Stiftungspräsident Hellmut Seemann gestern sagte, “noch nie eine international so gut verknüpfte Ausstellungsplanung gegeben hat”. Und auch dies habe es noch nie gegeben: Ringt sich das Land 1,7 Millionen Euro ab, dann wäre das etwa ein 35-Prozent-Beitrag. Den großen Rest wollen Sponsoren und die Impuls-Städte stemmen. “Wir werden klotzen und nicht kleckern”, versprach Hans-Helmut Münchberg, der parteilose Landrat, vor dem Ausschuss.
Im Gegensatz zur Bauhaus-Universität, die ihre wissenschaftlichen Kontakte vor dem Jubiläum nach USA, Japan und China intensiviert, “so oder so”, wie Prof. Wolfgang Sattler versicherte, ist die Impuls-Truppe auf ein Einlenken des Landes angewiesen. Seemann, wortgewaltig wie lange nicht, wusste zu locken. Es gehe um die Frage, ob die Kernregion Thüringens überhaupt einen Anspruch auf das Bauhaus-Erbe erhebt. Ob man sagen wird, Weimar hat an das Debakel der Vertreibung des Bauhauses 1925 angeknüpft oder das Erbe einfach liegen gelassen. Wer 2009 verstreichen lässt, werde wohl auch 2019 nicht zu sehen sein. Dann schaue die Welt nach Dessau, nach New York, Shanghai und Tel Aviv nach dem Bauhaus. Aber nicht in Weimar.
Jörg Schwäblein, der sonst so kritische Geist der CDU-Fraktion, ist überzeugt. Zum ersten Mal spüre er, dass es die Impulsregion Mittelthüringen nicht nur auf dem Papier gibt, spendete der Erfurter ein leicht vergiftetes Lob. Ihm gefällt die “Riesenchance” der Publicity für Thüringen und wohl auch, dass sie dem Land vergleichsweise preiswert zufallen soll. Dass Seemann leichtfertig einflocht, die Marke Landesausstellung sei “letztlich egal”, fand der CDU-Grande allerdings taktisch höchst unklug: “Man wird Sie damit fürchterlich zitieren.” Schwäblein kennt doch seine Landesregierung.Wenn wir diese Chance verpassen, wäre das einfach nur peinlich.
Albrecht Schröter (SPD), Oberbürgermeister der Stadt Jena
Homepage Albrecht Schröter
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