Die NRW-Koalitionsvereinbarung ist ein bildungspolitischer Rückschritt um Jahrzehnte.
Zum Abschluss der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen erklärt Ralf Höschele, Bundesvorstand der Juso-Hochschulgruppen:
"Der Weg hin zu mehr Wettbewerb unter Schulen und Hochschulen ist falsch. Damit steht die Chancengleichheit im Bildungssystem auf dem Spiel. Insbesondere die Abschaffung der Schulbezirke ab 2008 gefährdet akut die soziale Durchmischung bereits in den Grundschulen. Die Folge könnte sein, dass Eltern in Problembezirken ihre Kinder in wohlhabenderen Gegenden zur Schule schicken. Zurück bleiben dann nur noch Kinder aus sozial schwächeren Familien, wie man das schon heute beispielsweise in Berlin beobachten kann.
Die Einführung von allgemeinen Studiengebühren ab dem ersten Semester im kommenden Sommersemester kritisieren wir auf das Schärfste. Studiengebühren sind immer unsozial und machen es schon Menschen aus der Mittelschicht unmöglich, ein Studium aufzunehmen. Wie die soziale Abfederung bis nächsten April organisiert werden soll, ist zudem noch immer völlig unklar. Hier zeigt sich besonders deutlich das Ziel von konservativer und liberaler Bildungspolitik: Sie wollen höhere Bildung nur noch für eine wohlhabende Elite.
Die Einführung von ?Kopfnoten? in der Grundschule ist ein Rückfall in die Zeit vor den großen Bildungsreformen. Nun sollen nicht mehr die Leistungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Zeugnis stehen, sondern wie sympathisch sie auf ihre Lehrerin oder ihren Lehrer wirken.
Immerhin bleiben die vorhandenen Gesamtschulen vorerst bestehen. Angesichts der sozialen Selektivität des deutschen Schulsystems ist es ein deutlicher Rückschritt für das Schulsystem in NRW, Neugründungen von Gesamtschulen zu erschweren. Statt Selektion brauchen wir mehr Integration im Schulsystem.?