Die Türen beim WVS stehen auch den Kritikern offen. Bad Salzungen. Die Türen und Tore des Wasser und Abwasser-Verbandes Bad Salzungen (WVS) waren vor einigen Tagen weit geöffnet um eine gute Handvoll kritisch engagierter Vertreter von SPD, Linke und Bürgerinitiativen als Gäste zu einem Informationsgespräch zum Thema der bereits beschlossenen Trinkwassergebührenerhöhungen zu empfangen.
WVS-Vorsitzender Klaus Bohl und Verbandsgeschäftsführer Heiko Pagel begrüßten die Gäste mit einer umfangreich ausgearbeiteten Präsentation, um noch einmal die Fakten aus ihrer Sicht darzustellen, welche zur Erhöhung der Trinkwasserbeiträge führten.
Die Gäste brachten zu Beginn des Infogesprächs zum Ausdruck, dass es zukünftig besser sei, vor anstehenden Entscheidungen den Dialog aufzunehmen. Besonders sollte der WVS bei unpopulären Entscheidungen, nicht wie bisher, zu sehr aufs Tempo drücken, sondern im Eigenen, als auch im Interesse der Bürger stärker auf Transparenz setzen.
Einigkeit besteht auch in der Auffassung, dass der WVS nicht Feindbild ist, sondern eine wichtige verantwortungsvolle Aufgabe bei der Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigem Trinkwasser erfüllt.
Kostenbescheide aber in der Vorweihnachtszeit zu versenden ist mit dem sogenannten „Weihnachtsfrieden“ nicht vereinbar.
Kritik an Entscheidungen des Trink- und Abwasserverbandes dürfen nicht als „Majestätsbeleidigung“ von der WVS Führung aufgefasst werden. Bürgermeister, welche sich in der Verbandsversammlung als interne Kritiker zu erkennen geben, sollten keine Sanktionen befürchten müssen.
Als ebenso undemokratisch empfinden die geladenen Gäste die Einstellung des WVS, eine kritische offene Debatte zu Entscheidungen des Verbandes, wie sie aktuell von neugebildeten Bürgerinitiativen zum Thema Kostenspaltung geführt wird, als „Stimmungsmache“ abzuqualifizieren.
Es muss auch nach solchen Entscheidungen für die betroffenen Bürger möglich sein, berechtigte Forderungen zu stellen. Zum Beispiel den Bau von zentralen Kläranlagen zeitnah realisieren.
Damit werden für die Bürger höhere Belastungen durch den Bau von teuren vollbiologischen Hauskläranlagen vermieden.
Doch neben kritischen Hinweisen hatten die Gäste auch Konstruktives zu bieten. So wurde ein Vorschlag des SPD-Kreisvorsitzenden Ralf Pollmeier wieder aufgegriffen, eine sogenannte „Wasserflatrate“ einzuführen. Pollmeier hatte diesen Vorschlag bei einem Besuch beim Wasser und Abwasser-Verband im August 2010 bereits gemacht. Bohl und Pagel zeigten sich der Idee aufgeschlossen, wiesen aber auf die bestehende Gesetzeslage hin, welche eine „Wasserflatrate“ noch nicht ermöglicht.
Trotz widersprüchlicher Auffassungen der Gesprächspartner zu den behandelten Themen überwog auf beiden Seiten das Bestreben einen Konsens zu finden, dem man sich an diesem Abend ein gutes Stück genähert hat.
Zum guten Schluss waren sich WVS-Führung und Gäste einig, trotz unterschiedlicher Meinungen den aufgenommen Dialog in Zukunft fortzusetzen und dass möglichst bevor Entscheidungen getroffen werden.
Text und Foto: Rüdiger Christ