Die Ernst-Abbe-Mensa ist in dieser Woche der Ort eines besonders obskuren Schauspiels: die Telekom bekocht Studierende. Für die Hochschulgruppe und die Jusos Jena stellt diese Kampagne eine neue Stufe der Bildungskommerzialisierung und der mit ihr in Verbindung stehenden Bereiche dar. Werbung wird nicht mehr nur in Form von Flyer verbreitet, sondern zum Event emporgehoben. Die Hochschulgruppe und die Jusos Jena haben dazu einen Brief an den Geschäftsführer des Studentenwerkes Thüringen Dr. Ralf Schmidt-Röh verfasst.
Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Röh,
bezugnehmend auf die Vermietung der Ernst-Abbe-Mensa an die Telekom für Werbezwecke möchten die Juso-Hochschulgruppe und die Jusos Jena folgendes erklären:
Im Zuge der aktuellen Diskussion um die Kommerzialisierung von Bildung und aller mit ihr in Zusammenhang stehenden Bereiche erscheint uns die Vermietung der Mensa nur als weiterer Schritt bei den Studierenden die Akzeptanz privater Investoren an der Universität zu steigern. Problematisch erscheint uns insbesondere, dass die Werbung der Telekom vom sonst üblichen Muster der Standverteilung abweicht und stattdessen ein Event kreiert wird, welches den Studierenden suggeriert, das an der Werbung in einem vermeintlichen „Hort des Wissens“ nichts falsches zu finden sei. Für uns hat der Grad der Kommerzialisierung mit dieser Kampagne einen neuen Höhepunkt erreicht. So wurden Studierende während ihrer Mahlzeit mit Würfel-Werbung der Telekom belästigt. Man bekam zeitweise den Eindruck, als sollte das Verkaufsgespräch direkt im Anschluss an das Mittagessen vollzogen werden.
Gerade das Studentenwerk, welches zu einem großen Teil aus öffentlichen Mitteln finanziert wird, sollte ein Interesse daran haben, der Kommerzialisierung von Bildung entgegenzuwirken. In der Wahrnehmung der Studierenden äußert sich das Studentenwerk vor allem durch seine sozialen Funktionen, indem es beispielsweise günstigen Wohnraum sowie günstiges und gutes Essen zur Verfügung stellt. Aus dieser sozialen Perspektive heraus darf das Studentenwerk nicht zur überdimensionalen Werbefläche für kapitalistische Großinteressen verkommen, da es auch in Zukunft auf die Zuweisung öffentlicher Gelder angewiesen ist. Aktionen wie diese führen dazu, dass eine Argumentation für die Verlagerung öffentlicher Finanzmittel in Richtung privaten Kapitals geliefert wird.
In der näheren Vergangenheit waren die Juso-Hochschulgruppe und die Jusos Jena sehr darum bemüht, Projekte des Studentenwerkes zu unterstützen, welche eine öffentliche Finanzierung anstrebten. Zu nennen ist hier insbesondere die Sanierung des Wohnheimes in der Karl-Marx-Allee 3. Auch in Zukunft ist es daher unser Anliegen, dass das Studentenwerk den Studierenden nicht als Spielball privatwirtschaftlicher Investoren entgegentritt.
Mit freundlichen Grüßen,
Juso-Hochschulgruppe Jena
Jusos Jena