Kinderarmut sehr unterschiedlich in Stadtteilen verteilt
„Erschreckend und dramatisch“ nennt Torsten Wolf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der Jenaer SPD die vorliegenden Zahlen zur absoluten Kinderarmut in Jena. Ohne den im Herbst umfänglich von der Stadt vorzulegenden Armutsbericht Jena zu weit zu vor greifen zu wollen geben die von Jenarbeit und der Stadt Jena vorliegenden Zahlen ein klares Bild ab: Kinderarmut ist ein Problem insbesondere in den großen Neu- und Altneubausiedlungen.
In Jena sind mit Stand Juni 2008, kombiniert mit der Einwohnerstatistik Jena 2007, 21,46% aller Kinder unter 18 Jahren absolut arm (leben von Sozialgeld). Das heißt, dass Kinder in der Altersgruppe 0-14 von 208€ und über 14 von 278€ im Monat leben müssen. In den Altersgruppen sieht es wie folgt aus:

Quelle: Jenarbeit und Statistischer Dienst von Jena, eigene Berechnungen von Torsten Wolf
Damit muss festgestellt werden, dass das Armutsrisiko von Kindern im frühesten Alter am größten ist, aber selbst bei den Schulkindern immer noch jedes 5. Kind nur auf Regelsatzniveau Hartz IV lebt. Weiterhin ist festzustellen, dass 40% der armen Kinder deswegen in Armut lebt, weil keine Existenz sichernde Löhne gezahlt werden.
Besonders alarmierend ist die räumliche Verteilung der absolut armen Kinder in Jena. So sind es gerade die großen Neu- und Altneubaugebiete, welche die höchste Kinderarmut aufweisen. So sind 51,8% in Lobeda, in Winzerla mit 32,4% und in Nord II mit 24,3% aller dort lebenden Kinder auf Sozialgeld angewiesen.

Damit leben 78% aller armen Kinder in nur 8 von38 statistisch angeführten Stadtteilen. „Insbesondere in den beiden großen Neubaugebieten lässt sich Armut, besonders aber Kinderarmut, feststellen!“, so Torsten Wolf. Dies entspricht auch langjährigen Erfahrungen u.a. des Kinderhilfswerkes und bedeutet für die in Jena verantwortlichen Politiker und Verwaltung, erstens der Blick insbesondere auf die sozialen Brennpunkte dieser Stadt zu richten und zweitens die gute Haushaltssituation der Stadt dafür zu nutzen, entschieden gegen diesen heutigen und vor allem zukünftigen sozialen Zündstoff in der Stadt noch mehr zu unternehmen. „So wichtig wie Haushaltskonsolidierung ist, und wir teilen da den Ansatz des Oberbürgermeisters, so klar ist auch, dass den heute in Armut lebenden Kindern nur eine Kindheit und nur eine Bildungskarriere verbleibt. Deswegen sagen wir als Arbeitnehmerflügel in der SPD, Konsolidierung ja, aber ebenso Zukunftsinvestitionen im sozialen und im Bildungsbereich!“
„Deswegen fordern wir alle Bürgerinnen und Bürger Jenas auf sich an dem wichtigem Prozess des Bürgerhaushaltes zu beteiligen und werben nachhaltig dafür, dass die Bürger und die Stadträte ihre Stimme den armen Kindern der Stadt geben. Wir plädieren für einen, wie schon vom OB ins Spiel gebrachten, auf Dauer angelegten „Fonds für gleiche Chancen aller Kinder“, der von der Stadt großzügig ausgestattet werden sollte und von der Wirtschaft und den Bürgern Jena durch Spenden weiter mit getragen werden kann. Weiterhin sind die Kosten der Unterkunft den tatsächlichen Mietverhältnissen anzupassen, denn wohnen ist ein Grundrecht und darf nicht auf Kosten der Grundsicherung von den Bedürftigen finanziert werden. Drittens sind alle Anstrengungen in den Bereich der Bildung für die armen und von Armut bedrohten Kinder zu stecken, damit die mit Armut verbundenen verkürzten Bildungskarrieren unterbrochen werden. Hier sehen wir auch die großen Bildungsinstitutionen, FH und FSU, mit in der Pflicht!“, so Torsten Wolf, AfA Vorsitzender in Jena.
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