Realität gibt neue Chancen
Karin Müller/Wie ich Suhl sehe
In der unmittelbaren Umgebung von Schleusingen aufgewachsen und zur Schule gegangen, übte Suhl mit seinem pulsierenden Leben, Kulturangeboten, vielen Menschen, regen Bautätigkeit, vielen Arbeitsmöglichkeiten, Einkaufsgelegenheiten und und und, auf mich in meiner Jugendzeit eine hohe Anziehungskraft aus. Da wollte ich hin, denn weiter weg ging erst mal nicht, da meine Eltern mich brauchten. Nach Lehre und Studium wurde Suhl mein Arbeitsort aber ich wollte auch unbedingt hier wohnen, obwohl Eltern und Schwiegereltern gehofft hatten, dass wir zumindest von einer Seite, das Haus übernehmen. Ich wollte dort sein wo „etwas los ist“, wo ich etwas vollbringen kann und mittendrin bin. Das hatte ich in Suhl, im „Simson“ war ich fast 30 Jahre, hab ohne Parteimitglied zu sein, es dort zu einer verantwortungsvollen Tätigkeit geschafft, hatte viel mit Zahlen, aber was weit wichtiger war, mit vielen Menschen zu tun. Die Freude heute ist riesengroß, wenn ich ehemalige „Simsöner“ treffe. Auch die Wohngemeinschaften im damaligen Neubau und die vielen Begegnungen mit Menschen beim Bus fahren habe ich in guter Erinnerung. Ja, Suhl mit seiner aufstrebenden Entwicklung und seinen Menschen wurde meine Stadt und ist auch heute meine Stadt. Hier habe ich beruflich meine Kraft investiert, sowohl vor und nach der Wende, auch wenn das nicht immer leicht war. Nach der Wende bin ich seit vielen Jahren im Stadtrat, wieder um an der Entwicklung und Veränderung unserer, ja meiner Stadt, mitzuwirken und wieder mit vielen Menschen in Kontakt zu sein. Der Wegfall der vielen Arbeitsplätze und damit leider auch der Einwohnerrückgang haben in den vergangenen Jahren viele Veränderungen in unserer Stadt notwendig gemacht, da denke ich z.B. an die Reduzierung der Anzahl der Kindergärten und Schulen, oder die leer gezogenen Wohnungen. Gerade letzteres für viele Menschen ein schmerzlicher Prozess. Schmerzen entstehen durch Wunden und gehören zu einem Heilungsprozess dazu, an dessen Ende wir aufatmen und uns freuen, dass wir es geschafft haben. So denke ich, müssen wir auch den Prozess verstehen, den unsere Stadt jetzt weiter durchmachen muss. Das derzeit zu erarbeitende Stadtentwicklungskonzept muss diesen Veränderungen unbedingt Rechnung tragen und den hier wohnenden Menschen eine soziale Perspektive aufzeigen und auf Zuziehende eine Wohlfühlatmosphäre ausüben. Deshalb war es mir auch wichtig, dass möglichst viele Menschen, Beiräte und Vereinigungen in diesen Prozess mit einbezogen werden und ihre Vorschläge und Vorstellungen einbringen. Natürlich sind Arbeitsplätze das A und O um Menschen hier zu halten und neue anzusiedeln .Aber warum soll Suhl in verkleinerter Form mit seien guten sozialen Bedingungen, gerade für Familien, mit seinen sportlichen und kulturellen Möglichkeiten, nicht eine Stadt zum Arbeiten, Wohnen und Wohlfühlen werden und bleiben? Viele junge Menschen zieht es erst einmal in „die große weite Welt“, was uns damals nicht vergönnt war. Davon werden auch etliche wieder zurück kommen, wenn sie hier in der Gegend Arbeit finden. Deshalb sind zu schaffende Arbeitsplätze das Hauptthema. Natürlich wäre es gut, hier eine größere Fachschule oder Berufsakademie zu haben, damit mehr junge Leute unsere Stadt bevölkern, aber dazu war Suhl nicht stark genug. Es müssen Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten und Preislagen angeboten werden. Wir müssen unsere vorhandenen und neu zu schaffenden Identifikationsmerkmale wie z.B. kinderfreundliche Stadt, Wohnen im Grünen, Waffenstadt, sportfreundliche Stadt mit hervorragenden Sportlern und Trainern, Tagungs- und Erholungsstadt etc. viel besser herausstellen. Suhl soll als Mehrgenerationenstadt Anziehungskraft ausüben. Alles wird aber nur werden, wenn wir Suhler uns auch damit identifizieren. Und bei unserer weiteren Stadtentwicklung ist ganz wichtig, die Individualität der Ortsteile und Wohngebiete in das Profil unserer Stadt mit dem Stadtzentrum als Kernstadt, gut zu integrieren. Wenn in Ortsteilen Menschen neue Eigenheime bauen möchten, dann sollte dem, ohne dass eine Zersiedelung der Stadt entsteht, entsprochen werden, wie z.B. in Dietzhausen und Vesser oder Goldlauter. Und wenn in der Aue II , damit auch künftig dort Menschen gerne leben, ein Einkaufsmarkt gewünscht wird, der auch dem Wohngebiet entsprechend angemessen ist , dann sollte dem entsprochen werden oder die sehr begehrten Hochhäuser in der Aue I auch künftig als Wohnstandorte erhalten bleiben. Und wenn in Suhl-Nord bereits viele Wohnblöcke saniert sind, dann sollten die als Wohnstandort erhalten bleiben. Auf dem gesamten Areal können sich Wohnbereiche, auch neue Wohnformen, Gewerbeansiedlungen, sportliche Einrichtungen, Gärten und Parks abwechseln. Wenn wir die Menschen von dort umsiedeln wollen, werden viele aus unserer Stadt weggehen und das wollen wir doch keinesfalls.
Ich sehe also für unsere Stadt eine neue, aber optimistische Entwicklung, in der sich alle Generationen wohl fühlen können und auch Gäste gerne herkommen,. Wir müssen es nur alle wollen und jeder seinen Beitrag dazu leisten. Ich bin dabei.









