Podiumsdiskussion von SPD und Unicef – Politische Programme und Handeln nötig...
OTZ, 22.11.08
Gera. „In Gera aufwachsen – Chance oder Risiko?“, fragte gestern Abend eine Podiumsdiskussion von SPD und Unicef im Rathaussaal: Fazit nach zwei Stunden Diskurs: Politik ist auf allen Ebenen gehalten, die Chancen zu mehren und die Risiken zu mindern, um allen Kindern eine gute Zukunftsperspektive zu eröffnen.
An Sonntagsreden fehlt es nicht; vor Jahresfrist fand im Rathaussaal der erste Thüringer Kindergipfel statt. Nach der Showveranstaltung ist faktisch alles beim Alten geblieben, so das ernüchternde Fazit von Uwe Werner. Sein Schlupfwinkel und Sorgentelefon Gera hat es mit nahezu allen Erscheinungsformen von Kinderarmut zu tun, den Folgen von klassischer finanzieller Not ebenso wie denen von seelischer Vernachlässigung. Die Parteien müssten ihre Postulate in politische Programme gießen und diese umsetzen, forderte er zum Handeln auf. An den Ursachen von Kinderarmut anzusetzen, darauf lenkte der SPD-Bundestagsabgeordnete Volker Blumentritt die Aufmerksamkeit. Diese seien Arbeitslosigkeit oder unterbezahlte Arbeit. Deshalb auch der Kampf um Mindestlöhne und die Tariftreue als Messlatte für Unternehmen, die öffentliche Aufträge erhalten sollen.
In Deutschland gebe es kein Armuts-, sondern ein Verteilungsproblem, konstatierte Prof. Dr. Roland Merten, Lehrstuhlinhaber für Sozialpädagogik und außerschulische Bildung der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Kinderarmut in Thüringen liege weit über dem Bundesdurchschnitt, und im Freistaat besonders hoch in Erfurt und Gera, wo mehr als jedes dritte Kind betroffen sei. „Es ist falsch zu glauben: Wenn die Wirtschaft brummt, nimmt die Zahl der Armen ab“, warnte er. „Es wird in Gymnasien und Hochschulen – und damit am Ende der Bildungskarriere investiert. Es muss aber auch an das Fundament gedacht werden“, verlangt er einen Paradigmenwechsel.
SPD-Kreisvorsitzender Ramon Miller bekräftigte, seine Partei werde Kinderarmut als zentrales Thema der örtlichen Sozialpolitik machen. Dass die Förderung der Familie nicht als Ziel in den Leitlinien der Otto-Dix-Stadt Gera aufgenommen worden ist, bedauert Michael Hoffarth, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt.
Quelle: OTZ Lokalteil Gera, 22. November 2008