Holt die Männer! ASF will Bildung vermännlichen

Veröffentlicht am 08.02.2008 in Allgemein

Zugegeben: Ein bizarres Gefühl ist das im ersten Moment schon. Ein bisschen so, als würden wir mitten im Wahlkampf verkünden, man könne doch eigentlich auch prima mal eine andere Partei wählen als die SPD.
Wir von der ASF sind für die Frauen da. Wir bilden Netzwerke mit Frauen, fordern Arbeitsplätze für sie, setzen uns für ihr Weiterkommen ein. Wir fördern Frauen – und fordern plötzlich Männer?

Das bizarre Gefühl verliert sich aber, sobald man sich den üblichen Werdegang eines Kindes im derzeitigen Gesellschafts- und Bildungssystem vor Augen führt. In aller Regel werden unsere Kinder mindestens bis zum Ende der Grundschulzeit ausschließlich von Frauen erzogen. Zu Hause die Mutter, im Kindergarten die Erzieherin, in der Grundschule die Lehrerin. Chancengleichheit?

Wohlgemerkt: Hier ist nicht von der Chancengleichheit der Frauen die Rede; das ist ein Thema für sich. Uns geht es um Chancengleichheit für die Kinder, sowohl für die Mädchen als auch für die Jungen. Denn beide Geschlechter lernen im heimlichen Lehrplan unseres Bildungssystems: Für kleine Kinder sind Frauen zuständig. Das ist weder fortschrittlich noch richtungsweisend, aber das schwerer wiegende Problem ist: Wie sollen Kinder, ganz besonders Jungen, eine offene und von Klischees befreite Rollenidentität entwickeln, wenn die männliche Rolle gar nicht zur Verfügung steht?

Daher unsere Forderung: Lasst uns die Männer holen! Wer jemals erleben durfte, wie stark Kinder beiden Geschlechts auf einen einzigen männlichen Erzieher oder Grundschullehrer reagieren, kann an der Wichtigkeit dieser Veränderung keinen Zweifel mehr haben. Lasst uns Voraussetzungen dafür schaffen, allem voran eine deutlichere Wertschätzung der zu leistenden Arbeit. Wer durch eine kürzere Ausbildungszeit und schlechtere Bezahlung immer noch subtil vermittelt, „Alle Vögel sind schon da“ mit den Kindern zu singen, könne so anspruchsvoll ja nun wirklich nicht sein, macht keine gute Reklame für einen der ganz zukunftsweisenden Zweige des Bildungswesens. Und stimmt erst die gesellschaftliche Anerkennung, kommen sicherlich auch die Männer. Es gehört zu ihren klügeren Angewohnheiten, sich nicht gerne auf unterbezahlte und wenig prestigeträchtige Berufe einzulassen.

Dann sitzen Männer mit Kindern im Stuhlkreis und fragen: „Wie fühlst du dich heute?“ Dann toben Männer mit Kindern auf dem Außengelände. Männer binden Kindern die Schuhe zu, bringen ihnen lesen, schreiben und rechnen bei und begeistern sie mit Experimenten und im Werkunterricht. Sie trösten sie und verkneifen sich ein Schmunzeln über ihre ersten Kopffüßler-Bilder.

Warum eigentlich nicht?

(von Susanne Köhler, ASF-Vorstand Thüringen)

 
 

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