Holprige Reform

Veröffentlicht am 08.05.2008 in Bildung & Kultur

Sven Schrade - OV Schmölln

Die vom Thüringer Kultusministerium angestrebte Reform der Sekundarstufe I an Gymnasien lässt noch viele Fragen offen. In einer kürzlich stattgefundenen Informationsveranstaltung der Schmöllner SPD zu diesem Thema im Reussischen Hof verwies der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Döring, auf die noch vielen offenen Fragen. Ab Klassenstufe 5 soll es ein neues Schulfach „Mensch-Natur-Technik“ geben, das die Schulfächer Biologie, Chemie und Physik besser verbinden und so schon früh Interesse für naturwissenschaftliche Fächer wecken soll.

Doch werden bis jetzt noch keine Fortbildungen am Thüringer Instititut für Lehrerfortbildung (Thillm) angeboten, die Lehrer auf Methodik, Didaktik und die Zusammenarbeit der Fachschaften vorbereiten. Diese müssten spätestens jetzt beginnen und nicht erst kurz vor Toresschluss. Die fehlenden Schulstunden durch Lehrerfortbildung müssen schließlich in die Personalplanung der Schulen eingeflochten werden.
Auch liegt noch kein Lehrplan für jenes Unterrichtsfach vor, das im Schuljahr 2009/2010 eingeführt werden soll. Erst im Juli kommenden Jahres werde der Lehrplan dafür fertiggestellt sein, so der damalige Kultusminister, Jens Goebel.
Den Schulen wird mit der Reform ermöglicht, die Schwerpunkte in diesem Fach selbst zu setzen. Ein vernünftiger Ansatz. Aber auch hier ist fraglich, was passiert, wenn ein Schüler durch Umzug an ein Gymnasium wechselt, dessen Schwerpunkte in diesem Fach andere sind.
Um die Sprachkompetenz der Schüler zu fördern, ist ebenso die Einführung von zweisprachigem Unterricht vorgesehen, der das Wissen beispielsweise in Biologie in englischer Sprache vermitteln soll. Welche Fächer im sogenannten bilingualen Unterricht abgehalten werden sollen, lässt das Reformkonzept jedoch offen. Fest steht nur, dass er ab Klassenstufe 9 verbindlich werden soll. Auch hier bleibt die Frage unbeantwortet, ob die Thüringer Gymnasiallehrer bedingt durch ihre Ausbildung dieser Herausforderung gewachsen sein können.
Der Bildungspolitiker begrüßte grundsätzlich, die Sekundarstufe I zu reformieren. Doch darf eine Reform vor Einführung nicht solche handwerklichen Fehler und ungeklärten Fragen aufweisen wie diese. Schließlich gilt es den Schülern von heute ein durchdachtes bildungspolitisches Fundament zu bauen, um sie auf naturwissenschaftliche Studiengänge und die Wissensgesellschaft von morgen vorzubereiten. Eine wohl durchdachte Reform muss die Potentiale der Schüler wecken können.
In diesem Zusammenhang verwies Döring noch einmal darauf, auch ernsthaft über das Modell der Gemeinschaftsschule in Thüringen nachzudenken, das ein längeres gemeinsames Lernen mindestens bis zum Abschluss der 8. Klasse ermöglicht. So wird eine frühzeitige Aufteilung auf Regelschule und Gymnasium verhindert und mehr Schülern ermöglicht, die allgemeine Hochschulreife zu erlangen.

Sven Schrade
SPD Schmölln

 
 

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