v.l.: Hans Eichel, Matthias Doht und Ernst Welteke enthüllen die Gedenktafel am Eisenacher Rathaus Ein für Eisenach historisches Ereignis jährte sich in der Vorwoche zum 20. Mal. „Wir Deutschen … haben Anspruch auf Zusammenhalt, auf Einheit und die jüngere Generation hat es allemal. Wir haben dieses Recht, aber wir müssen auch wissen, dass wir nicht allein auf dieser Welt leben“, diese Worte sprach Friedensnobelpreisträger und Altbundeskanzler Willy Brandt am 27. Januar 1990 – mitten in der Wendezeit – vor 30.000 Menschen auf dem Eisenacher Markplatz. Eine Gedenktafel genau mit diesen Worten wurde zur Erinnerung am Mittwoch vergangener Woche am Rathaus der Wartburgstadt feierlich enthüllt.
m Foyer der Wartburg-Sparkasse verfolgten die Gäste der Veranstaltung mit großem Interesse einen von Lutz Mittelbach damals aufgezeichneten Film der Rede von Willy Brandt in Eisenach
Willy Brandt sprach vor zwanzig Jahren auf den Rathaustreppen über die Form der Deutschen Einheit. Dies waren ein wichtiges Bekenntnis und ein großer Schritt nach der friedlichen Revolution vom Herbst 1989 zur Neustrukturierung der politischen Verhältnisse. Willy Brandt machte den Menschen Mut, den begonnenen Veränderungen und den Umwälzungsprozess fortzusetzen und die Einheit Deutschlands anzustreben. Damit verstetigte er die Wendebewegung in Eisenach und Westthüringen.
Während seiner Kanzlerschaft, einer SPD/FDP-Regierung, mit eben Willy Brandt und Walter Scheel an der Spitze, war es seine neue Ostpolitik, die Anfang der 70er Jahre Erleichterungen für die Menschen im „innerdeutschen Besucherverkehr“ per Vertrag erreichte. Einer der Architekten der damaligen „Ostpolitik“ war der in Treffurt geborene Egon Bahr. Sowohl für die Menschen in der ehemaligen DDR als auch für viele Bürger der „Alt-Bundesrepublik“ steht Willy Brandt für eine Politik, die Vision und Realitätssinn verbindet. Das nicht nur in der damals aktuellen Aussöhnung zwischen Ost und West, der Ermöglichung von Begegnungen zwischen Menschen der BRD und DDR, sondern auch in der Teilhabe von Menschen am politischen Geschehen – „Mehr Demokratie wagen!“ – oder in dem heute so aktuellen Thema der Globalisierung, wo sich Willy Brandt schon sehr früh für nachhaltige Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd eingesetzt hat.
Mit der Gedenktafel am Rathaus der Wartburgstadt und dem Zitat aus der Rede von Willy Brandt vor 20 Jahren an dieser Stelle wird die historische Bedeutung dieses Besuches im 20. Jahr der Deutschen Einheit gewürdigt. Als Zeitzeugen waren Hans Eichel, damals Oberbürgermeister von Kassel, später hessischer Ministerpräsident und Bundesfinanzminister und Ernst Weltecke, damals Vorsitzender der SPD-Fraktion im hessischen Landtag, später Bundesbankpräsident, zugegen. Beide standen vor zwanzig Jahren gemeinsam mit Willy Brandt und Matthias Doht, dem damaligen Vorsitzenden der gerade wieder gegründeten SPD Eisenach und jetzigem Oberbürgermeister der Wartburgstadt, auf der Eisenacher Rathaustreppe. Hans Eichel, Ernst Welteke und Matthias Doht erinnerten sich in bewegten Worten der Zeit von vor 20 Jahren. Th. Levknecht