Politik und Wirtschaft diskutieren im Kienbergkreis engere Zusammenarbeit mit Jena
Uhlstädt (OTZ/rq). Hat der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die kommunale und wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsraum Jena in den vergangenen Jahren vernachlässigt?
Dieser Frage ging jetzt eine Gesprächsrunde nach, zu der der Kienbergkreis in der Thüringer SPD eingeladen hatte. Der hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Gerhard Botz und sein Parlamentskollege Volker Blumentritt aus Jena waren in den Jagdhof Kienberghaus auf dem Hausberg der Uhlstädter gekommen.
Beide stimmten darin überein, dass die kommunal- und wirtschaftspolitische Kooperation viel enger geknüpft werden müsse. Diese Ansicht teilten die Geschäftsführer des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) aus Rudolstadt-Saalfeld und Jena, Reinhard Schiebold und Günther Rehm, die ebenfalls an dem Gespräch teilnahmen.
Schon die geographische Lage im verbindenden Saaletal wie auch die gemeinsame geschichtliche Entwicklung, nicht wenig geprägt von der Jenaer Industrie, sprächen für ein gezieltes Zusammenwirken. Zumal der prosperierende Wirtschaftsraum Jena, in Ostdeutschland auf einem Spitzenplatz, mit dem Saale-Holzland-Kreis vormacht, wie vorteilhaft ein gemeinsames Entwicklungskonzept für beide Seiten ist.
Tausende von Einpendlern nach Jena und Geschäftsbeziehungen von Firmen der Nachbarregionen belegten zwar deren Verbindung, die müsste aber durch kommunalpolitische Unterstützung intensiviert werden, so der Tenor des Gespräches. Die Saale-Achse zu stärken, so z.B. durch den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, sei viel naheliegender, als Partner in anderen Richtungen zu suchen.
"Knapper werdende Fördermittel erzwingen ohnehin eine Konzentration auf Wachstumskerne", sagte Botz. Da sei eine intelligente Verknüpfung kleinerer Zentren wie dem Städtedreieck mit der Wachstumsregion Jena nur logisch, um an der Entwicklung teilzuhaben. Der Wirtschaftsraum Saalfeld-Rudolstadt brauche sich nicht zu verstecken und biete mit seinen Dienstleistungen und Produkten ein ansehnliches Potenzial für Geschäfte, wie auch BVMW-Vertreter Reinhard Schiebold meint.
Volker Blumentritt, der zudem Mitglied des Jenaer Stadtrates ist, sieht ebenso Nachholebedarf wie der Jenaer BVMW-Mann Günther Rehm. "Wir brauchen doch die natürlichen Gegebenheiten nur besser zu nutzen", sagt Blumentritt. Er sähe in Jena keine Hemmnisse für kommunalpolitische Kontakte mit Saalfeld-Rudolstadt, die zu einer besseren Kooperation führen und beiderseitige Stärken bündeln können. "Ich glaube, das ist im Sinne der Bürger, von denen die Saale-Achse schon immer als eine natürliche Verbindung betrachtet wird."
Im Kienbergkreis wurde deshalb vereinbart, nach der Kommunalwahl im Mai das Thema mit Vertretern der Kommunen entlang des Flusses auf einer Zusammenkunft zu diskutieren, zu der Dr. Gerhard Botz und Volker Blumentritt einladen wollen.
08.03.2006