„Mit ihrem sturen Festhalten am gegliederten Schulsystem ist die
CDU-Landesregierung in der Bevölkerung inzwischen völlig isoliert.“
Zu dieser Einschätzung gelangt Hans-Jürgen Döring, bildungspolitischer
Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, angesichts der aktuellen
Infratest-Dimap-Umfrage. 70 Prozent der Thüringer sprechen sich demnach für längeres gemeinsames Lernen aus. Döring weist darauf hin, dass sich selbst 64 Prozent der CDU-Anhänger gegen das gegliederte Schulwesen gewandt haben. „Parteibasis und Wählerschaft der Union sind in Sachen längeres gemeinsames Lernen offenbar wesentlich klüger als die eigene Führung“, sagt der Bildungsexperte. Die Verweigerungshaltung der Landesregierung gegenüber einer dringend notwendigen Reform der Schulstrukturen grenze hingegen an Realitätsverleugnung.
Döring erinnert daran, dass die SPD-Landtagsfraktion mit ihrem Modell
der Thüringer Gemeinschaftsschule ein schlüssiges Konzept zur Einführung
längeren gemeinsamen Lernens bis einschließlich Klasse 8 erarbeitet hat.
„Die Gemeinschaftsschule steht für hohe Bildungsqualität, individuelle
Förderung und für die Integration von Schülern mit
sonderpädagogischem Förderbedarf“, sagt der Bildungspolitiker. Das
Beispiel der PISA-Spitzenstaaten zeige, dass ein derartiges integratives
Schulmodell weit leistungsstärker und sozial gerechter sei als das
gegliederte Schulwesen. „Das viel zu frühe Aufteilen nach Klasse 4 führt
Thüringen hingegen in eine bildungspolitische Sackgasse“, ist Döring
überzeugt.